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Geld

Geld

Geld ist ein Tauschmittel, welches sich von anderen Tauschmitteln dadurch auszeichnet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern aufgrund allgemeiner Anerkennung zum weiteren Tausch eingesetzt werden kann. Durch Weitergabe dient es dem Begleichen von Rechnungen und Schulden und vermittelt dadurch den wirtschaftlichen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Durch seine Wertbeständigkeit dient es auch der Aufbewahrung von wirtschaftlichen Werten (Wertaufbewahrungsmittel) und ist außerdem Maßstab zum Vergleichen der Werte von Waren, Dienstleistungen und Vermögen (Wertmaßstab). Geld liegt in der Regel vor in gegenständlicher Form (Geldscheine und Münzen) oder in dokumentarischer Form (gespeicherte Daten auf Bankkonten und Wertkarten). Geld ist in der Regel staatlich und international unterschiedlich organisiert, insbesondere in der Festlegung des Münz- und Notensystems, und hat einen entsprechenden Namen. Name und organisatorische Regeln zusammen werden als Währung bezeichnet. Für staatlich ausgegebenes Geld besteht beim Begleichen von Schulden Annahmepflicht für den Empfänger. Eine Verpflichtung zur Weitergabe von Geld besteht hingegen nicht. Geld benötigt das Vertrauen in seine allgemeine Übertragbarkeit innerhalb einer Gesellschaft. Das Vertrauen in Geld basiert darauf, dass es von jedermann jederzeit in nützliche Güter oder andere begehrte Vermögenswerte umgetauscht werden kann. Verwaltet wird Geld heute hauptsächlich vom Bankwesen. Geldvermögen sind nur dann Zahlungsmittel, Geld, wenn sie ohne vorherige Umwandlung in eine andere Vermögensform zum Zahlen verwendet werden können. Volkstümlich wird die Bezeichnung ’’Geld’’ auch für Vermögen allgemein gebraucht. Historisch erlangten bestimmte begehrte Güter wie Gold, Silber oder Muscheln Geldfunktion, indem sie als Zwischentauschmittel eingesetzt wurden. Das Zahlungsmittel kann man auch als Vermittler ansehen, der den einstufigen, suchintensiven direkten Tausch von Waren und Dienstleistungen in einen zweistufigen Tausch umwandelt. Geld ist Studienobjekt der Wirtschaftswissenschaft, ferner auch von Philosophie und Soziologie.

Erweiterte Definition

Praxisbezogene Definition

In einer engen Definition ist Geld nur das, was gesetzlich als Zahlungsmittel unter Annahmepflicht steht: Dies sind meist bedruckte Papierscheine und Münzen mit Wertangabe, die jeder innerhalb einer Rechtsordnung als Zahlungsmittel akzeptieren muss. Sie werden als Bargeld bezeichnet. Das Bargeld wird nur von der Zentral- bzw. Notenbank herausgegeben. In einer erweiterten Definition werden auch Sichtguthaben bzw. Sichteinlagen zur Geldmenge gezählt, da sie einen Anspruch auf Bargeld dokumentieren und als direktes Zahlungsmittel (Überweisung, Schecks) ebenfalls Geldfunktion übernehmen. Durch vertragliche Vereinbarungen oder gesetzliche Regelungen kann hier ebenfalls ein Annahmezwang herrschen.

Theoretische Definition

Geld sind Rechtsdokumente mit einerseits wirtschaftlicher, andererseits rechtlicher Bedeutung. Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen sind Geld Belege (Inhaber-Dokumente) über das Recht des Geldinhabers zum Erwerb angebotener wirtschaftlicher Leistungen (Waren, Arbeits- bzw. Dienstleistungen). Dieses Recht ist durch Übergabe des Geldbelegs von einem Geldinhaber zum anderen übertragbar. Durch diese Übertragbarkeit ist Geld ein allgemeines Tausch- und Zahlungs- wie auch Wertaufbewahrungsmittel für zeitlich und räumlich getrennten und in seinem Umfang unterteilbaren Tausch. Das Angebot wirtschaftlicher Leistungen gegen die Hergabe von Geld ist die wirtschaftliche Deckung des Geldes und verschafft ihm Wert, bezeichnet als Kaufkraft. Ohne wirtschaftliche Deckung hat Geld keine Kaufkraft. Dem wirtschaftlichen Erwerbsrecht des Geldinhabers steht keine Verpflichtung eines Anbieters zum Erbringen von Leistungen gegenüber; insofern dokumentiert Geld wirtschaftlich gesehen eine einseitige Rechtsbeziehung. Rechtlich gesehen sind Geld Belege über das Recht (Guthaben) des Geldinhabers auf die Inbesitznahme (Rückgriff) eines zu diesem Zweck verpfändeten nutzbaren Gutes (Schuld) eines Eigentümers, das dieser bis zum Rückgriff selbst nutzen kann (z. B. Grundpfand, Bürgschaft). Rechtliche Grundlage hierzu ist das Darlehen, geschäftsmäßige Grundlage der Kredit. Die Rückgriffsmöglichkeit auf das verpfändete Gut ist die rechtliche Deckung des Geldes. Sie ist die Sicherheit, wenn Geld durch Kredite geschaffen wird (siehe unten unter Geldschöpfung). (Diese rechtliche Grundlage des Geldes ist beim alltäglichen Umgang mit Geld nicht bewusst.) Gelddokumente können gegenständlich vorliegen, geprägt als Münzen oder gedruckt als Geldscheine, versehen mit einer Wertangabe, oder schriftlich auf Kontenblättern oder elektronisch gespeichert in Computern oder auf Wertkarten. Die Art des Trägermaterials der Rechtsinformation Geld (Metall, Papier, elektronische Speicherung) ist unwesentlich für die Eigenschaft Geld. Münzen, Scheinen oder Kontoeinträgen ist nicht anzusehen, ob und in welchem Umfang sie wirtschaftlich oder juristisch gedeckt sind. Geld kann wirtschaftlich durch ein Waren- und Leistungsangebot gedeckt sein, obwohl es keine ausreichende juristische Deckung besitzt. Umgekehrt kann Geld juristisch durch Sicherheiten in Form von verpfändetem Vermögen gedeckt sein, ohne wirtschaftlich gedeckt zu sein. Die Menge an Geld wird gemessen in Geldeinheiten (Währungseinheiten), die je nach Währung eigene Namen besitzen, z. B. 1 Euro, 1 Franken, 1 Dollar. Eine Geldeinheit ist Rechen- und Vergleichseinheit für wirtschaftliche Werte, die in einer Anzahl Geldeinheiten ausgedrückt werden können (1 Brot kostet zum Beispiel 3.-- Franken). Dadurch ist Geld allgemeiner Wertmaßstab, mit dem die Werte von Lieferungen, Arbeitsleistungen und Sachen üblicherweise miteinander verglichen werden. Die Übertragbarkeit von Geld kommt zustande durch allgemeine, entweder stillschweigende oder ausdrückliche Übereinkunft der Mitglieder einer Gemeinschaft oder durch gesetzlich verordnete Verpflichtung der Einwohner eines Staatsgebiets zur Annahme der Geldbelege (Münzen, Geldscheine) zum Begleichen von Rechnungen und Schulden. Dadurch wird Geld in seinem Verbreitungsraum (Währungsraum) zu einem anerkannten Zahlungsmittel. Die fortlaufende Übertragung von Geld innerhalb seines Währungsraums wird als Umlauf des Geldes bezeichnet. Ein Zahlungsmittel dient grundsätzlich dem Begleichen von Schulden und ist somit Schuldentilgungsmittel. Als Zahlungsmittel ist Geld ein Zwischentauschmittel. Es wandelt den einstufigen und aufwändigen direkten Tausch, bei dem Waren oder Dienstleistungen direkt gegeneinander getauscht werden, in einen zweistufigen, einfacheren Tausch von Ware gegen Geld und von Geld gegen Ware um und ermöglicht dadurch ein zeitliches, räumliches und größenmäßiges Auseinanderfallen von Verkauf und Kauf. Während des Überbrückens der Zeit zwischen Verkauf und Kauf ist Geld Wertaufbewahrungsmittel. Die Übertragbarkeit des Geldes und seine Tauschbarkeit gegen angebotene Güter ist Voraussetzung für die allgemeine Wertschätzung des Geldes. Sie beruht auf der Erwartung seines Besitzers auf den Nutzen der mit Geld zu erwerbenden Güter. Darin liegt auch der Nutzen des Geldes. Weil Geld aus sich selbst heraus keinen wirtschaftlichen Nutzen hat, kann es nicht als Ware bezeichnet werden. Geld besitzt einen quantitativen und einen qualitiven Wert:
- Quantitativ verschafft Geld seinem Besitzer Kaufkraft. Die Kaufkraft des Geldes liegt im Wert der damit zu erwerbenden nutzbaren Güter. Sie wird gemessen in Geldeinheiten, z. B. in Euro.
- Qualitativ verschafft Geld Zahlungsfähigkeit (Liquidität) und Wahlfreiheit unter den zum Erwerb angebotenen Leistungen wie auch über die Verwendung des Geldes bezüglich Ort und Zeit. Der Vorteil von Zahlungsfähigkeit und Wahlfreiheit zusammen ist die Liquiditätsprämie des Geldes. Sie wird gemessen in Geldeinheiten pro Zeit, z. B. in Euro pro Jahr, beim Kreditzins bekannt als Prozent pro Jahr. Die Liquiditätsprämie ist unter den Bestandteilen von Kreditzinsen der Anteil, der für das Verleihen von Zahlungsfähigkeit und Wahlfreiheit verlangt wird.

Besonderheit des Geldes

Der Nutzwert jedes wirtschaftlichen Gutes ist – gemäß J. M. Keynes – bestimmt durch den mit ihm erzielbaren Ertrag, seine Liquiditätsprämie (Übertragbarkeit und Tauschbarkeit) und seine Durchhaltekosten (Aufwand für Unterhalt, Verwaltung und Sicherheit). Im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsgütern vermittelt Geld keinen wirtschaftlichen Ertrag, besitzt aber die höchste Liquiditätsprämie und verursacht die geringsten Durchhaltekosten. Güter, für welche dieser besondere Umstand zutrifft und welche sich durch bequeme Handhabbarkeit auszeichnen, eignen sich als allgemeines Tauschmittel einer Gesellschaft. Geld ist deshalb das begehrteste Wirtschaftsgut überhaupt. Wegen dieser überragenden Begehrtheit verleiht es seinem Besitzer Überlegenheit und eine problematische Vormachtstellung über einen Nichtgeldbesitzer, die das Geheimnisvolle des Geldes ausmacht. Dies hat immer wieder Zweifel am Geld und Rufe nach Reformen aufkommen lassen (vgl. u. a. P. J. Proudhon, K. Marx, S. Gesell, J. M. Keynes).

Geldfunktionen

Siehe Hauptartikel Geldfunktion Dem Geld werden gemäß seiner Verwendung i. A. drei Funktionen zugesprochen. Über diese bestimmt sich auch, was als Geld zu definieren ist. Geld sind demnach genau diejenigen Informationsträger, welche die drei Geldfunktionen ausreichend erfüllen (siehe Absatz Arten der Geldmenge).

Zahlungsmittelfunktion

Geld ist Tausch- und Schuldentilgungsmittel. – Damit hat es Zahlungsmittelfunktion. Geld vereinfacht den Tausch von Gütern (Tauschmittel) und die Aufnahme und Tilgung von Schulden (Zahlungsmittel). Als universelles Tauschmittel muss Geld umlaufen. Die Häufigkeit, mit der eine Geldeinheit für wirtschaftlich wirksame Zahlunge Pohl eingesetzt wird, wird als Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bezeichnet. Damit Geld als Tauschmittel gut funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit möglichst konstant sein.

Wertaufbewahrungsfunktion

Geld ist Wertaufbewahrungsmittel. – In Geld lässt sich das Versprechen eines Gegenwerts für andere Güter (Waren oder Dienstleistungen) speichern und zu anderer Zeit und an anderem Ort einlösen. Als Wertaufbewahrungsmittel ruht das Geld und hat nicht die Funktion eines Tauschmittels. Die Funktion der Wertaufbewahrung bewirkt eine Reduktion der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

Wertmessfunktion

Geld ist Wertmaßstab. – Geld dient als Vergleichsmaßstab für die Menge von Lohnarbeit, Waren und Dienstleistungen nellen, die damit entlöhnt, bezahlt bzw. erworben werden kann. Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den er erwerben kann, wenn er das Geld ausgibt. Der Wert einer Geldeinheit wird bezeichnet als Kaufkraft des Geldes.

Umgang mit Geld

Ein Geldbesitzer kann sein Geld ...
- ausgeben (Konsum Zahlungsmittel)
- investieren (Geldanlage, Investition)
- umtauschen in eine andere Währung (Umtausch, Wechselkurs)
- verschenken (Schenkung)
- vererben (Erbe)
- behalten, horten (Wertaufbewahrung, Hortung)
- verlieren (Verlust, Geldspiele)
- vernichten (absichtlich oder versehentlich, zum Beispiel nach einer Währungsreform) Geld erwerben lässt sich durch ...
- Arbeiten (Arbeit, Lohn, Verdienst)
- Verkaufen (Verkauf, Handel)
- Entleihen (Kredit)
- Erben (Erbe)
- Erhalten durch Geschenk (Schenkung)
- Gewinnen (Lotto, Toto, Geldspiele)
- Umtauschen aus anderer Währung (Umtausch, Wechselkurs)
- Finden (Fund)
- Fälschen (Falschgeld) Gemäß J. M. Keynes lassen sich für das Halten von Geld bei Nichtbanken, auch Geldnachfrage oder Kassenhaltung genannt, drei Gründe unterscheiden:
- Geldhaltung zur Abwicklung von beabsichtigten und erwarteten Zahlungen (Transaktionskasse im engeren Sinne).
- Geldhaltung aus Sicherheitsgründen zur Abwicklung unvorhergesehener Verpflichtungen (Vorsichtskasse, Teil der Transaktionskasse im weiteren Sinne).
- Geldhaltung aus spekulativen Gründen zur Realisierung erwarteter Wertpapier-Kursgewinne bzw. zur Vermeidung erwarteter Wertpapier-Kursverluste (Spekulationskasse). Die Verteilung des ausgegebenen Geldes in der Gesellschaft spiegelt die Verteilung des Sozialprodukts: Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den er erwerben kann, wenn er das Geld ausgibt. Missbrauch des Geldes:
- Fälschung von Geld (Falschgeld)
- Geldwäsche
- Geldhortung

Umlauf des Geldes

Als universelles Tauschmittel muss Geld unter den Wirtschaftsteilnehmern seines Währungsraums umlaufen. Die Häufigkeit, mit der die gleiche Geldmenge während eines bestimmten Zeitraums zum Kaufen eingesetzt wird, ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Damit eine Volkswirtschaft störungsfrei funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes möglichst konstant sein. Sie ist wesentlich für das allgemeine Preisniveau. Eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit wirkt ebenso wie eine Zunahme der Geldmenge steigernd auf das Preisniveau (inflationär), eine Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit ebenso wie eine Abnahme der Geldmenge preisniveausenkend (deflationär). Dabei gelten folgende Formeln:
- Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit ist gleich Handelsvolumen (umgesetzte Gütermenge) mal Preisniveau. Oder:
- Preisniveau ist gleich Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit geteilt durch Handelsvolumen (umgesetzte Gütermenge). Hortung ist das Zurückhalten von Geld über das aus der Vorliebe für das Halten von Geld (Liquiditätsvorliebe) bestimmte Maß hinaus.

Geschichte des Geldes

Entstehung

Vor der Erfindung des Geldes herrschte Tauschhandel, bei welchem direkt Ware gegen Ware getauscht wurden. Geld kam in Gebrauch, um als überall anerkanntes und daher gültiges Tauschmittel den Handel zu vereinfachen, indem Ware gegen Geld und Geld wieder gegen Ware getauscht wird. Der Gebrauch von Geld ist verknüpft mit dem Entstehen des Handels innerhalb einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Mit der Arbeitsteilung wächst auch der Umfang des Geldgebrauchs. Eine Selbstversorgungswirtschaft benötigt kein Geld. Bei der Entstehung von Geld wurden im Wesentlichen zwei Wege beschritten: Einerseits entstand Geld, indem allgemein geschätzte, in beschränkter, jedoch ausreichender Menge verfügbare und unverderbliche natürliche Gegenstände als allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel in Gebrauch kamen (Warengeld). Dies waren entweder Naturgegenstände (Naturalgeld), Schmuckstücke (Schmuckgeld) oder allgemeine Gebrauchs- und Nutzgegenstände wie auch Nutztiere. Diese erste Art von Geld war ursprünglich üblich bei Naturvölkern, die noch kein persönliches Eigentum kannten (zum Beispiel Kaurimuscheln im Süden Asiens und Afrikas bis ins 19. Jahrhundert) oder wird unwillkürlich benützt als Notgeld (zum Beispiel Zigaretten vorübergehend in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg). Andererseits kam Geld als Belege für Guthaben auf verpfändbares privates oder öffentliches Eigentum in Umlauf. Voraussetzung dafür war das Vorhandensein von Eigentum an bestimmten Gütern, gegen deren Verpfändung das Geld von ihren Eigentümern als Kredit herausgegeben wird. Als verpfändetes Eigentum kam zum Beispiel Landbesitz oder hinterlegtes Münzgeld in Frage. Den Besitzern von Geldbelegen stand auf Verlangen die Herausgabe des verpfändeten Eigentums zu. In dieser Weise kommt Geld durch Verschuldung zustande und ist rechtlich gesehen ein Schuldschein und Schuldentilgungsmittel. Dieses Verfahren wurde bis heute bei Geschäfts- und Zentralbanken beibehalten, indem Geld durch Beleihung verpfändbarer Wertpapiere vertrauenswürdiger Kreditnehmer gegen Zins ausgegeben wird. Eine dritte, vorübergehend gebrauchte Form der Geldentstehung ist die absichtliche Schaffung von Notgeld. Zum Beispiel haben in Deutschland um 1923 gewisse Städte Notgeld als Ersatz für offizielles Geld herausgegeben. Während Geld anfänglich über Jahrhunderte an wertvolle physische Tauschmittel wie z. B. Münzen aus Gold gebunden war, bestehen die Gelddokumente heute in der Regel aus fast wertlosem Material (Banknoten aus Papier). Dementsprechend wurden in Europa Gold und Silber als Wertgaranten für das ausgegebene Geld bei den Notenbanken hinterlegt (siehe dazu Goldeinlösegarantie). Seit ab 1971 die Goldeinlösegarantie für Bargeld aufgehoben worden ist, wurde international die Golddeckung mehr und mehr abgebaut. Kritik an der Annahme der Entstehung des Geldes aus dem Tauschhandel kommt von Vertretern der Debitismus-Theorie, insbesondere von Paul C. Martin. Als Argument wird vorgebracht, das Einführen eines dritten Tauschgegenstands würde den Tausch zunächst noch verkomplizieren. Aus einer einzigen Transaktion würden zwei. Entscheidend sei vielmehr die Funktion des Geldes, die Zeit zwischen dem Bedarf an Ware A und der Produktion von Ware B zu überbrücken. Daraus ergebe sich, dass Geld von vornherein keine Ware und kein Tauschgegenstand gewesen sei, sondern Zeichen für ein Schuldverhältnis.

Natural- oder Warengeld

Natural- oder Warengeld war früher weit verbreitet und in allen Kulturen und Epochen vorzufinden. Es waren wertvolle nützliche oder schöne Dinge. Zum Beispiel Steingeld in Mikronesien, Ring- und Schmuckgeld in Neu-Guinea und im Süd-Pazifik, Muschelgeld in Afrika und China, Kleidergeld (z. B. Pelze) in Nordamerika und Metallgeld in allen Regionen. Weiter dazu zählen Rinder, Kamele, Ziegen, Felle, Dolche, Spaten, Schmuckringe, besondere Steine, Salz und vieles mehr. Zum Warengeld gehörten auch Muscheln, insbesondere Kauri-Muscheln, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch in Afrika, Südasien und auf den Südseeinseln noch weit verbreitet in Gebrauch waren. In Tibet wurde noch bis zum Einmarsch der Chinesen im Jahr 1950 vielfach mit Gerste oder Weizen bezahlt. Mit der Entdeckung, dass manche dieser Dinge immer wieder weitergegeben, aber nicht mehr als Nutzgüter gebraucht wurden, wurden kleine und wesentlich weniger wertvolle Nachbildungen dieser Gegenstände als Zahlungsmittel verwendet. So kam es beispielsweise zu Messergeld, Spatengeld und Ähnlichem. Das erste Falschgeld waren aus Knochen, Gestein oder Jade nachgeahmte Muscheln, als diese etwa 2000 v. Chr. das erste chinesische Zahlungsmittel waren. Dies sind Formen prämonetären Zahlungsverkehrs. Aspekte der Zählbarkeit, der Lagerfähigkeit und der leichten Transportierbarkeit spielten bereits früh eine Rolle bei der Wahl des Materials, auch im Hinblick auf die Möglichkeit, Werte aufzubewahren. Diesem Bedürfnis entsprachen z. B. Barren und Drähte aus Bronze oder Silber, die sehr werthaltig und leicht aufzubewahren waren. Die nachfolgenden Geldarten Münze, Banknote, Buchgeld und Wertkarte sind wie Generationen des Geldes auseinander hervorgegangen.

Münzgeld

Siehe auch Geschichte des Münzgeldes. Münzen erleichterten den Handel wesentlich. Sie hatten den Vorteil, immer gleiche Größe, gleiches Gewicht und gleiches Aussehen zu besitzen und statt gewogen abgezählt werden zu können.

Papiergeld

Siehe auch Geschichte der Banknote. Papiergeld entstand als Stellvertreter für Münzgeld. Es war ursprünglich nicht als Ergänzung zu Münzen gedacht, sondern als deren Ersatz bei Mangel an Münzen. Papiergeld waren Wertpapiere mit der Aufforderung an ihren Herausgeber, dem Inhaber auf Verlangen den Gegenwert in Münzen auszuzahlen. Das erste europäische Papiergeld wurde 1483 in Spanien als Ersatz für fehlendes Münzgeld ausgegeben. Dazu dienten Papierzettel mit Wertangabe und Siegel, deren Annahme als Zahlungsmittel für jedermann zwingend vorgeschrieben war. Das Vertrauen in Papiergeld beruhte ursprünglich darauf, dass es von jedermann jederzeit in Münzgeld umgetauscht werden kann. Dieses Vertrauen war durch ausreichende Bestände an Münzgeld in den Schatzkammern des Herausgebers begründet. Durch die verordnete Annahmepflicht wurde Papiergeld neben dem Münzgeld zum Zahlungsmittel. Später haben Banken Münzgeld gegen Quittung in Verwahrung genommen, um den Besitzern Transport und Bewachung des Geldes zu erleichtern. Die Quittungen wurden als Zahlungsmittel verwendet. Sie gaben ihren Inhabern das Recht, von einer dazu verpflichteten Bank jederzeit die Hergabe der entsprechenden Menge Münzgeld zu verlangen. Die Quittungen hießen Banknoten, die entsprechenden Banken Notenbanken. Daraus entwickelte sich die Erfordernis der Notenbanken, die von ihnen ausgegebenen Banknoten durch Bestände zunächst an Münzen, später an Edelmetallen (Gold, Silber) abzusichern, zu decken (Deckungspflicht). Mit der Zeit überstieg die Menge an Papiergeld die Menge an Münzen und Edelmetallen deutlich. Heute müssen Banknoten in vielen Ländern nicht mehr durch Goldbestände der Notenbanken gedeckt sein (Aufhebung der Golddeckungspflicht). Etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts gingen die Staaten dazu über, das Recht zur Ausgabe von Banknoten den verschiedenen Notenbanken ihres Landes zu entziehen und einer zentralen Notenbank, der Zentralbank des Landes, zu übertragen. Diese versorgt ihrerseits die Geschäftsbanken über Kredite mit Banknoten. Mit der Errichtung von Zentralbanken war oft auch eine Zentralisierung des Geldwesens und die Schaffung einer einheitlichen Währung verbunden. Bis dahin hatten die einzelnen Notenbanken vielfach ihre eigenen Währungen ausgegeben. Dazu zwei Beispiele: 1907 wurde die Schweizerische Nationalbank errichtet und der Franken als neue Währung eingeführt anstelle von mehreren kantonalen Notenbanken mit eigenen regionalen Währungen. Und 1998 wurde die Errichtung der Europäischen Zentralbank und die Schaffung des Euros als neue europäische Währung vollzogen anstelle der Zentralbanken der einzelnen Länder und der Landeswährungen. Da Papiergeld ohne große Kosten hergestellt werden kann und es oft weder durch vorhandenes Vermögen noch durch genügend erwerbbare Güter gedeckt ist, kann es problemlos im Übermaß ausgegeben werden. Dies führt immer zu Teuerung und Kaufkraftverlust des Geldes (Inflation). Aus der Verbindung von Papiergeld mit Krieg und Inflation war bis ins 20. Jahrhundert hinein das Papiergeld als wertloses Geld empfunden und mit Misstrauen betrachtet worden.

Buchgeld

Der nächste Entwicklungsschritt war die Entstehung von Buchgeld oder Giralgeld auf persönlichen Konten bei Banken. Die Kontenbestände sind so genannte Sichtguthaben – sie müssen auf Sicht, d. h. jederzeit und sofort auf Verlangen des Kontoinhabers von den Banken in Bargeld ausbezahlt werden. In den ersten Jahrzehnten seiner Verwendung wurden diese Bestände schriftlich in Kontenbüchern geführt – daher der Name "Buchgeld". Heute geschieht dies elektronisch als Elektronisches Geld (E-Geld) in Computern. Buchgeld und elektronisches Geld sind Grundlage des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Sichtguthaben auf Bankkonten entstehen sowohl durch Einzahlungen von Bargeld in Form von Münzen und Banknoten bei der kontoführenden Bank wie auch durch bargeldlose Überweisungen von anderen Konten oder durch Erteilen von Krediten der Bank. Von den Sichtguthaben können die Kontoinhaber Zahlungen per Überweisungen auf Konten von Kunden der gleichen oder anderer Banken vornehmen lassen oder darauf Schecks ausstellen oder sich Bargeld auszahlen lassen. Durch die Möglichkeit der Überweisung von Konto zu Konto sind Sichtguthaben zusätzlich zum Bargeld Zahlungsmittel geworden. Sie sind damit Geld und zählen deshalb auch statistisch zur zahlungsfähigen Geldmenge, bezeichnet als M1, welche Bargeld und Sichtguthaben umfasst. Buchgeld ist jedoch – im Gegensatz zu Bargeld – kein gesetzliches Zahlungsmittel und unterliegt keiner allgemeinen Annahmepflicht, weil seine Annahmemöglichkeit auf die Inhaber von Sichtguthabenkonten beschränkt ist. Diese erklären sich jedoch zur Annahme von Buchgeld durch die Eröffnung eines entsprechenden Kontos bereit.

Wertkarten

Der bisher letzte Schritt in der Geldentwicklung sind die Wertkarten mit elektronischer Wertspeicherung. Auf ihnen sind Geldbeträge mit besonderen Geräten speicherbar und davon abbuchbar. Damit vollzog sich der Schritt vom papiergebundenen zum papierlosen elektronischen Bank- und Zahlungsverkehr. (Kreditkarten sind keine Wertkarten, weil sie keinen Geldbetrag aufgespeichert haben können und nur als Ausweise für den Zugriff auf Konten dienen.)

Probleme mit Metallgeld

Bis in das 18. Jahrhundert hinein waren die Währungen Europas über ihren Edelmetallgehalt in ihrem Wert definiert. Die nationalen Münzstätten überwachten neben der eigenen Produktion die ausländischen Prägungen. Überbewertungen einer Währung traten auf, wenn Münzen international über oder unter ihrem Metallwert gegeneinander verrechnet wurden. Immense Probleme im praktischen Umgang mit Münzen bereitete der mutwillige Abschliff, bei dem der Münze Metall abgefeilt wurde. Hier mussten sorgfältigere Prägungen Einhalt gebieten, Prägungen, bei denen man an der Integrität der Ränder sah, wenn Metall entfernt wurde. Noch größere Probleme bereitete die Fluktuation der Edelmetallwerte untereinander. Umfassten Währungen Gold-, Silber- und Kupfermünzen, so ließ sich ihr Wert gegeneinander nicht stabil halten. Silber floss aus Spanien und England ab, da spanische und englische Händler Goldmünzen geringfügig größeren Wert beimaßen als ihre internationalen Handelspartner – ein Problem, das sich im internationalen Handel ausweitete: In Asien sah man keinen Grund für die hohe Wertschätzung des Goldes in Europa. So floss Silber gegen Gold nach Asien ab. Die Lösung des Problems wurde im frühen 18. Jahrhundert in England die grundsätzlich goldbasierte Währung, bei der die Bank of England versicherte, den jeweiligen Marktwert Goldes dem Besitzer einer jeweiligen englische Münze jederzeit auszuzahlen (siehe Goldeinlösegarantie). Die Probleme dieser Umstellung waren absehbar: Wie war gewährleistet, dass die Bank nicht mehr Münzen ausgab, als sie durch Goldbesitz deckte? Hier kam es in den 1730ern Jahren zu einer Vertrauenskrise, in der die Bank of England nur durch die Bereitschaft des Londoner Großhandels gerettet wurde, der die Garantie übernahm. Auf der anderen Seite entfiel nun jeder Anreiz zur Münzmanipulation und jede Wertverschiebung zwischen landesinternen Münzsorten, wie man sie zwischen goldbasierten Guineas und silberbasierten Kronen im Lauf des 17. Jahrhunderts mitsamt einem unkontrollierten Abfluss von Silbergeld erfahren hatte. Noch weit ins 19. Jahrhundert hinein waren einige Währungen – wie z.B. der US-Dollar – goldgedeckt. Sogar manche Banken wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel konstituieren sich über Aktien, die in Goldfranken definiert sind. Es ist also auch heute nicht selbstverständlich geworden, die Golddeckung aufzugeben. Das Greshamsche Gesetz beschreibt, welche Geldarten bei Konkurrenz untereinander bevorzugt werden. Danach vertreibt das Geld mit dem geringeren Materialwert dasjenige mit dem höheren vom Markt. (Beispiel: Man behält die Goldmünzen, wenn man mit Kupfermünzen bezahlen kann.)

Arten der Geldmenge

Siehe Hauptartikel Geldmenge Wie bereits erwähnt, ist der Begriff "Geld" nicht an einen bestimmten Träger gebunden. Vielmehr wird jeder Träger als Geld definiert, der die drei Geldfunktionen erfüllt. Da unterschiedliche Träger die Funktionen in unterschiedlichem Grad erfüllen, ist eine eindeutige Abgrenzung von Geld und Nicht-Geld kaum möglich. Aus diesem Grund definieren die Zentralbanken den Begriff Geld in mehrfacher Weise. Hierzu werden verschiedene Geldmengen unterschieden, je nach Erfüllung der Geldfunktionen: Die Geldmenge M0 ist das von der Zentralbank geschaffene Geld und besteht aus den Giroguthaben der Banken bei der Zentralbank und dem in Umlauf befindlichen Bargeld (Münzen und Banknoten). Sie unterliegt dem direkten Einfluss der Zentralbank. Geldmenge M1 umfasst die Gelder, die jederzeit als Zahlungsmittel eingesetzt werden können, also Bargeld und Sichteinlagen. Geldmenge M2 umfasst – nach einer möglichen Definition – zusätzlich zu M1 die innerhalb einer Obergrenze wandelbaren Spareinlagen. Geldmenge M3 umfasst zusätzlich zu M2 Termingelder.

Heutige Geldschöpfung

Prozess der Geldschöpfung

Siehe auch Hauptartikel Geldschöpfung Die Ausgabe von Geld an die Bevölkerung eines Währungsraums wird Geldschöpfung genannt. Auf einer theoretischen Ebene kann man zwei unterschiedliche Arten von Geld unterscheiden. Zum einen das Zentralbankgeld, das von der Zentralbank geschaffen oder vernichtet wird; hierzu zählt auch das Bargeld. Zum anderen das Geschäftsbankengeld, das durch die privaten Geldinstitute entsteht oder verschwindet, wobei es sich genau genommen nur um Geldforderungen handelt. Geld kann durch das Zusammenspiel von Zentralbank, Geschäftsbanken, Unternehmen, privaten Haushalten und öffentlicher Hand geschaffen werden. Der häufigste Weg der Geldschöpfung basiert auf der Gewährung von Krediten. Bargeld (Münzen, Banknoten) kann nur von der Zentralbank geschaffen werden, Buchgeld auf Sichtguthabenkonten (Giralgeld) sowohl von der Zentralbank wie auch von den Geschäftsbanken. Die Geschäftsbanken können Geld auf Sichtguthabenkonten schöpfen, indem sie ihren Kunden gegen die Verpfändung von Sicherheiten (Hypotheken auf Grundstücke, Wertpapiere) Kredite gewähren. Nach Gewährung des Kredits kann der Kreditnehmer von einem Konto bei seiner Bank aus (Girokonto in Deutschland, Kontokorrentkonto in der Schweiz) über ein Guthaben bis zur Höhe des gewährten Kredits verfügen und davon Zahlungen per Überweisungen an andere Kunden der gleichen oder anderer Banken vornehmen lassen oder darauf Schecks ausstellen oder sich Bargeld auszahlen lassen. Durch diesen Vorgang wird Geld geschaffen. Auf der einen Seite wird Geld in Umlauf gebracht, auf der anderen Seite entsteht eine Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer (Schuldtitel) als Position in der Bilanz der Bank. Umgekehrt wird Geld in Form von Sichtguthaben vernichtet, wenn ein Kredit an die Bank zurückgezahlt und der Schuldtitel aufgelöst wird. Die Kreditvergabe einer Geschäftsbank muss durch Eigenkapital der Bank und Einlagen ihrer Kunden genügend abgesichert, gedeckt sein. Wenn das Eigenkapital der Bank und die Einlagen der Kunden nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in dem gewünschten Umfang durchzuführen, hat sie die Möglichkeit, sich Zentralbankgeld bei der Zentralbank zu leihen; man spricht hier von Refinanzierung. Da das neu geschaffene Geld wieder als Basis für weitere Geldschöpfung dienen kann, gibt es theoretisch keine obere Grenze für die Menge des von den Banken geschaffenen Geldes. Um die Geldschöpfung der Geschäftsbanken in Grenzen zu halten, gibt es neben Bilanzvorschriften für die Banken (keine Überschuldung, minimale Eigenkapitaldeckung der Bank) je nach Land die Verpflichtung, bei der Zentralbank eine Mindestreserve an Zentralbankguthaben zu halten, die einen bestimmten Prozentsatz der bei ihnen liegenden Sichtguthaben ihrer Kunden ausmacht (z. B. 1,5%). Eine weitere Grenze ist systemimmanent gegeben, da letztlich nicht Banken, sondern die Gesellschaft das Geld schöpft. Finden die Banken keine zusätzlichen Kreditnehmer, so können sie auch kein Geld schöpfen (im Sinne von Gesamtgeldmenge erhöhen). Das vom Bankenpublikum bei den Geschäftsbanken angeforderte Bargeld wird von der Zentralbank in Form von Münzen und Geldscheinen abgegeben, welche die Geschäftsbanken bei der Zentralbank zu Lasten ihrer Guthaben an Zentralbankgeld beziehen können. Jedes über Kredite ausgegebene Geld zieht zwangsläufig das Zahlen von Zinsen nach sich. Geld ist darum stets an Zinsen gebunden, und das Zahlen von Zinsen an die herausgebenden Banken ist Voraussetzung für das Vorhandensein von Geld. Volkswirtschaftlich gesehen wird Geld nur geschaffen, wenn die Gesamtkreditaufnahme der Gesellschaft (Staat, Wirtschaft und Haushalte zusammen) größer ist als die Gesamtkredittilgung, wenn also eine positive Nettogesamtkreditaufnahme stattgefunden hat.

Geldmarkt

Siehe Hauptartikel Geldmarkt Für die leihweise Übereignung von Geld besteht genauso wie für Waren und Dienstleistungen ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Die privaten Haushalte und Unternehmen fragen Geld als Kreditnehmer nach und bieten es gleichzeitig als Sparer an. Das Bankensystem dient als Vermittler zwischen den beiden Gruppen und macht den Markt hierdurch effizienter, da sich Sparer und Kreditnehmer nicht mehr einzeln finden müssen. Diesen Dienst lassen sich die Banken mit der Differenz zwischen Guthaben- und Kreditzinsen entlohnen. Der Zins, der sich an diesem Markt herausbildet ist von Angebot und Nachfrage bestimmt und stellt im Prinzip den Preis der leihweisen Uebereignung des Geldes dar. Wollen viele Teilnehmer bei einem geringen Geldangebot welches leihen, so steigt der Zins und der Anreiz für andere steigt, ebenfalls Geld auf dem Markt anzubieten. Umgekehrt sinkt der Zins bei geringer Nachfrage und großem Angebot. Ein Kreditnehmer erhält Geld mit der Verpflichtung, den geliehenen Betrag plus Zinsen später zurückzuzahlen. Da Geld-Leihen also etwas kostet, sind Kreditnehmer bestrebt, ihr geliehenes Geld ertragbringend zu nutzen (das heißt: sofort für Investitionen oder auch Konsum auszugeben). Die Zentralbank nimmt auf den Geldmarkt Einfluss, indem sie entweder aktiv das Geldangebot im Rahmen einer so genannten Offenmarktpolitik beeinflusst oder über den Zinssatz für Zentralbankgeld indirekt auf Angebot und Nachfrage einwirkt. Bei der Offenmarktpolitik kauft die Zentralbank Wertpapiere und bezahlt diese mit Zentralbankgeld. Dem System wird so Geld hinzugefügt. Umgekehrt kann sie auch Wertpapiere verkaufen und dem System hierdurch Geld entziehen. Der Zinssatz für Zentralbankgeld bzw. für Einlagen bei der Zentralbank beeinflusst den Geldmarkt indirekt, weil er Anreize für die Geschäftsbanken schafft, Kredite zu gewähren oder Einlagen bei der Zentralbank zu schaffen.

Fiat Money

Siehe Hauptartikel Fiat Money Fiat Money, ein Geld aus dem Nichts, ist Geld, dessen juristische Deckung durch reale Vermögenswerte entweder nicht vollständig ist oder fehlt. Die Bezeichnung fiat money (Es werde Geld) ist abgeleitet vom lateinischen fiat lux (Es werde Licht) aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel (1. Mose 1). Diese Art der Geldschöpfung kann vom Herausgeber, in der Regel der Zentralbank, bei Bedarf angewendet werden. Das Geld aus dem Nichts ist keine besondere Geldart und von niemandem als solches erkennbar, da man Münzen, Scheinen oder Kontoeinträgen nicht ansehen kann, ob und in welchem Umfang sie juristisch gedeckt sind. Wesentlich bei Fiat money ist die juristische Deckung, nicht die wirtschaftliche (siehe oben Theoretische Definition). Fiat money kann durch ein Waren- und Leistungsangebot wirtschaftlich gedeckt sein, obwohl es keine juristische Deckung besitzt. Praktisch alle Währungen sind heutzutage nicht oder nicht ausreichend gedeckt und damit, zumindest teilweise, Fiat Money. Die Möglichkeit zur Schaffung von Fiat Money existiert nur so lange, wie die privaten Marktteilnehmer (Haushalte, Banken und andere Unternehmen) dem auf diese Weise emittierten Geld einen Wert beimessen.

Geldpolitik

Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Geldpolitik Zentralbanken verfolgen im Allgemeinen ein konkretes und festes Ziel bei der Geldmengensteuerung. Dieses Ziel ist häufig die Preisstabilität, d. h. die Bekämpfung der Inflation. Um die Inflationsrate auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Maß zu begrenzen, versucht die Zentralbank die Geldmenge im Gleichschritt mit der zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu halten. Die Quantitätstheorie stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Wachstum von Geldmenge und Preisniveau her. In Zeiten geringer Inflationsraten kann die Zentralbank auch versuchen, Sekundärziele zu verfolgen, wie zum Beispiel die Steigerung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.

Inflation

Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Inflation Wenn die Geldmenge übermäßig wächst oder bei konstanter Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem verfügbaren Geld und den Gütern, die mit dem Geld bezahlt werden könnten. Dieses Ungleichgewicht führt zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, das man als Inflation bezeichnet. Da sich der wirtschaftliche Wert des Geldes aus den Gütern ergibt, die damit erworben werden können, kann die Ausgabe zusätzlichen Geldes den Gesamtwert des in einer Volkswirtschaft umlaufenden Geldes nicht erhöhen, sondern führt zu Inflation. Eine Zunahme der Geldmenge kann z. B. durch die (Zins-)Politik der Zentralbank (vgl. Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland) oder eine plötzliche Erhöhung der Staatsverschuldung unter Zunahme der Geldmenge durch Zentralbankkredite an den Staat entstehen. Denkbar sind auch plötzlich veränderte Erwartungen der Verbraucher, die zu einem Abnehmen der Sparguthaben führen.

Deflation

Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Deflation Wenn die Geldmenge sinkt oder bei gleicher Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zurückgeht, kann es zu einer Periode nachhaltig fallender Preise kommen, die als Deflation bezeichnet wird. Ein Rückgang der Geldmenge kann auch hier durch Maßnahmen der Zentralbank ausgelöst werden (Zinspolitik). Die Umlaufgeschwindigkeit kann sinken, wenn die privaten Haushalte und Unternehmen zurückhaltender werden bezüglich Konsum und Investitionen und Geld eher sparen als ausgeben.

Rechtliches zum Geld

Die vielfach gehörte Aussage, die Zerstörung von Geld sei strafbar, ist falsch. Hier gilt Paragraph 903 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach der Eigentümer mit seinen Sachen grundsätzlich nach Belieben verfahren darf. Allerdings leistet die Bundesbank für vollkommen zerstörte Geldscheine keinen Ersatz.

Volkstümliche Bezeichnungen des Geldes

Auf Grund der Bedeutung des Geldes und der weiten Verbreitung gibt es zahlreiche Bezeichnungen und Redewendungen für Geld. Einige davon sind:
- Kohle (Kohle wurde nach dem 2. Weltkrieg als Zahlungsmittel verwendet)
- Mammon (vom aramäischen oder arabischen aman = das, worauf man vertraut)
- Moneten (von Moneta; vgl. engl. money)
- Masade (russisch Geld)
- Penunzen (über polnisch pieniądz von lat. Pecunia)
- Zaster (stammt aus dem Rotwelschen und leitet sich von dem Wort "saster" für Eisen ab.)
- Stutz (schweizerisch für Franken)
- Papiergeld: Riesen (Tausender), Blauer/Hunni (Hunderter [zu DM-Zeiten]), Fuffi (Fünfziger), Zwanni (Zwanziger), Scheine, Lappen
- Münzgeld: Heiermann (Fünfmarkstück), Groschen (10 Pf.), Zwickel (Zweimarkstück, Zweieurostück), Fünfliber (Fünffrankenstück in der Schweiz)
- Weitere: Asche, Bimbes, Eier, Fett, Kies (geht auf das Jiddischen Wort kis (= Geldbeutel) zurück. siehe:Liste_deutscher_W%C3%B6rter_aus_dem_Hebr%C3%A4ischen), Kikerlinge, Klötze, Knaster, Knete, Koks, Kröten, Mäuse, Mücken, Moos, Ocken, Öcken, Obulus, Piepen, Pimperlinge, Pinke, Pinkepinke, Pulver, Schabangas, Schnee, Schotter, Sickel, Steine, Taler, Diridari
- geringer Betrag: Peanuts
- Für Falschgeld: Blüte, „falscher Fuffziger“ (in der Regel für unehrliche Personen)

Geld in anderen Wissenschaften

Geld in der Soziologie

Selbst primitivste Volkswirtschaften kennen Geld. Doch tritt immer wieder - besonders in neuerer Zeit - ein Unbehagen über das Geld und ein damit verbundenes Gefühl von Ungerechtigkeit zutage. Es gab deshalb viele Entwürfe utopischer Gesellschaften, die ohne Geld auszukommen versuchten. Sie alle waren aber mit einer Arbeitspflicht verbunden, die die Freiheit des Einzelnen einschränkte. Solche Entwürfe stammen etwa von Robert Owen, Francois Babeuf oder Pierre Joseph Proudhon. Tatsächlich gab und gibt es Volkswirtschaften, die ohne Geld auskommen. Solche Wirtschaftsformen sind als Naturalwirtschaft oder Subsistenzwirtschaft bekannt. In diesen herrscht entweder eine Verteilwirtschaft (in Stammeskulturen wird die Ernte gemeinschaftlich eingebracht und nach bestimmten Regeln an die Stammesmitglieder verteilt), oder es herrscht weitgehende Selbstversorgung, bei welcher kaum Handel und dann nur Tauschhandel getrieben wird. Ohne Geld auszukommen versuchte auch das kommunistisch gewordene Sowjetrussland nach dem Ersten Weltkrieg. Dies führte zu einigen Millionen Toten, weil die Versorgung im Land zusammenbrach. Danach ging das Regime wieder zum Geldgebrauch zurück. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam Silvio Gesell den Ursachen des Problems um das Geld auf die Spur und machte Vorschläge, um dem Problem durch eine grundlegende Geldreform abzuhelfen, ohne aber das Geld abzuschaffen (siehe Freiwirtschaftslehre). Diese Vorschläge wurden verschiedentlich in kleinen örtlichen Aktionen umgesetzt, zeitlich begrenzt, so dass sie ihre Wirksamkeit nur teilweise erweisen konnten (siehe zum Beispiel Wörgler Geldexperiment). In neuerer Zeit sind diese Vorschläge in Regionalgeldprojekten wieder aufgegriffen worden.

Geld in der Philosophie

Etliche Klassiker (so Georg Simmel und Alfred Sohn-Rethel) haben bedeutende Beiträge vorgelegt. Beachtenswert ist die wissenssoziologische Analyse Sohn-Rethels, dass die abstrakte Wertform, die das Geld seit seiner Einführung als Münzgeld im Lydien des 7. vorchristlichen Jahrhunderts verkörperte, auch denkerischen Abstraktionen in anderen Bereichen (so in der frühen ionischen Naturphilosophie) angebahnt habe.

Geld in Mythologie und Psychologie

In Mythen und Märchen spielt auch das Geld eine Rolle. Die antike Sage, dass der kleinasiatische König Midas sich von den Göttern gewünscht habe, alles, was er berühre, solle zu Gold werden, und der deshalb zu verhungern und zu verdursten drohte, ist wahrscheinlich ein Echo der Tatsache, dass Münzgeld historisch zuerst in Lydien geprägt worden ist. In Träumen und Märchen kann Geld die Bedeutung von Reichtum und Macht wie auch von Lebensenergie haben, aber auch die des moralisch Schmutzigen.

Siehe auch


- Darlehnskassenschein
- Demurrage (Finanzwesen)
- Deutsches Geld
- Elektronisches Geld
- Falschgeld
- Freigeld
- Geldanlage
- Geldkreislauf
- Geldmarkt
- Geldumlaufgeschwindigkeit
- Hedgegeschäft
- Kaufkraft
- Kredit
- Spardose
- Währung
- Wechsel
- Zahlung
- Zins

Literatur


- Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin (DDR): Dietz 1953 oder Marx-Engels-Werke Bd. 42
- Alfred Sohn-Rethel: Das Geld, die bare Münze des Apriori, Berlin: Wagenbach, 1990, ISBN 3-8031-5127-9
- Friedrich August von Hayek: Entnationalisierung des Geldes', J.C.B.Mohr, ISBN 3-16340-272-0
- Gunnar Heinsohn, Otto Steiger:
Eigentum, Zins, Geld – Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft, ISBN 3895183040
- Stephen Zarlenga:
Der Mythos vom Geld – Die Geschichte der Macht. Zürich: Conzett, ISBN 3-905267-00-4
- Ottmar Issing:
Einführung in die Geldtheorie, Verlag Vahlen, ISBN 3-8006-2993-3
- Wolfgang Weimer:
Geschichte des Geldes, Suhrkamp Taschenbuchverlag
- Karl Walker:
Das Geld in der Geschichte. Band 1 und 2 [http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/walker.htm]
- Egon W. Kreutzer:
Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre – Band III - Über das Geld, EWK-Verlag, ISBN 3-938175-16-8
- Bernhard Felderer, Stefan Homburg:
Makroökonomik und neue Makroökonomik, 7. Auflage, 1999, Springer Verlag , ISBN 3-540-66128-x
- Oliver Blanchard, Gerhard Illing:
Makroökonomie, 3.Auflage, 2003, Pearson Studium, ISBN 3-8273-7051-5
- Peter Koenig:
30 dreiste Lügen über Geld, Conzett Verlag bei Oesch, Zürich 2004
- Zu den Fragen einer metallbasierten Währung und zum internationalen Fluss von Gold und Silber [http://www.pierre-marteau.com/currency/ed/newton-intro.html siehe Isaac Newtons Berichte als Aufseher der Königlichen Münze in London]
- Zu den Umrechungsverhältnissen der metallbasierten Währungen siehe [http://www.pierre-marteau.com/currency/converter.html The Marteau Early 18th-Century Currency Converter]

Weblinks


- Katja Girschik: [http://socio.ch/sim/t_girschik.htm
Geld als Determinante der Moderne in Georgs Simmels „Philosophie des Geldes“]
- Georg Simmel: [http://www.textlog.de/simmel_geld.html Philosophie des Geldes]
- Deutsche Bundesbank: [http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_sekundarstufe2.php
Schülerheft für die Sekundarstufe II „Geld und Geldpolitik“]
- [http://www.bundesbank.de/geldmuseum/ Geldmuseum der Deutschen Bundesbank]
- [http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/geldmuseum.jsp Geldmuseum der Osterreichischen Nationalbank]
- [http://www.moneymuseum.com/ MoneyMuseum in Zürich]
- [http://aes.iupui.edu/rwise/notedir/mappage.html World Paper Money] alles Geld der Welt zum Anschauen
- [http://www.mnr.ch/files/verlag/18786.pdf „Die Geldfalle der Endzeit“] (Wilfred Hahn über den Mammon Geld aus christlicher Sicht)
- Dr. Matthias Schlicht: [http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/geld_und_ethik.html Geld und Ethik:] Vortrag im Rahmen der Reihe
Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- Egon W. Kreutzer: [http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Sammlung%20Geld.html Grundlagen und weiterführende Texte zum Geld]
- Federal Reserve Bank of Chicago: [http://landru.i-link-2.net/monques/mmm2.html Modern Money Mechanics - A Workbook on Bank Reserves and Deposit Expansion]
- Oesterreichische Nationalbank: [http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/allg_geldgeschichte/allgemeine_geldgeschichte.jsp Allgemeine Geldgeschichte]
- Richard Weinrich: [http://www.richard-weinrich.privat.t-online.de/ Vexierbild Geld]
- Prof. Dr. Fritz Helmedag: [http://archiv.tu-chemnitz.de/pub/2004/0171/data/1995b_Geldfunktion.pdf Geldfunktionen] !Geld ja:貨幣 ko:돈 simple:Money

Rechnung

Eine Rechnung ist zumeist ein Schriftstück aus Papier, auf dem formal vom Schuldner (und gleichzeitigem Gläubiger der dafür vereinbarten Gegenleistung) eine Auflistung der erbrachten oder in Kürze zu erbringenden Leistungen festgehalten wird. Die Rechnung ist nicht identisch mit dem eigentlichen Vertrag zwischen den Parteien (üblicherweise eine vertragliche Verpflichtung zur Übereignung und Übergabe eines Gegenstandes gegen Zahlung eines Geldbetrags, also ein Kaufvertrag, so dass die Parteien Käufer und Verkäufer sind). Die Rechnung gewährt den am Handel beteiligten Personen in aller Regel keinerlei Rechte oder Pflichten, die diese nicht ohnehin schon haben, denn allgemein ist eine Rechnung weder Voraussetzung für die Entstehung noch für die Fälligkeit einer Leistung. Schließen Käufer und Verkäufer beispielsweise einen Vertrag, in dem eine Sache x zum Preis von y EUR verkauft werden soll, so steht bereits mit Vertragsschluss fest, welche Leistungspflichten bestehen; einer Rechnung bedarf es für die Entstehung der Leistungspflichten daher nicht. Die Rechnung ist in aller Regel - z.B. beim Kauf - auch nicht erforderlich, um die Leistungsverpflichtung des Käufers zur Fälligkeit zu bringen, denn nach dem gesetzlichen Normalfall werden Forderungen im Zweifel sofort, also mit Entstehung fällig. Mit einer Rechnung ist auch nicht die Gewährleistung für die Kaufsache verbunden. Die Gewährleistung (besserer Begriff: Mängelhaftung) ergibt sich aus dem Kaufvertrag selbst, einer Rechnung bedarf es nicht. Für eine Garantie hingegen kann die Rechnung relevant sein - das hängt davon ab, was in den Garantiebedingungen vereinbart ist. Will man also einen gekauften Artikel beim Verkäufer im Rahmen der Mängelhaftung reklamieren, so muss man als Käufer die Rechnung nicht vorzeigen können. Das mag als Beweismittel helfen; sollte es vor Gericht gehen, sind aber selbstverständlich auch alle anderen Beweismittel zulässig, z.B. Zeugen, die den Vertragsschluss mitangesehen haben. Im übrigen beweist die Rechnung an sich nicht den Vertragsschluss, sondern ist nur ein Indiz dafür, dass ein solcher stattgefunden hat. Im Zeitalter des Internet bekommt man oftmals auch elektronische Rechnungen. Diese entwickeln sich vom Papier hin zur Elektronik wie das Bargeld zur Kreditkarte aus Plastik. Historisch versteht man unter Rechnung auch Schriftstücke der Buchführung.

Rechnung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes (UStG)

Rechnung ist jedes Dokument, mit dem über eine Lieferung oder sonstige Leistung abgerechnet wird, gleichgültig, wie dieses Dokument im Geschäftsverkehr bezeichnet wird. Führt ein Unternehmer
- einen Umsatz an einen anderen Unternehmer für dessen Unternehmen aus, ist er verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Ausführung der Leistung eine Rechnung auszustellen;
- eine umsatzsteuerpflichtige Werkleistung oder sonstige Leistung im Zusammenhang mit einem Grundstück an einen Nichtunternehmer aus, ist er verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Ausführung der Leistung eine Rechnung auszustellen. Der Leistungsempfänger muss die Rechnung, einen Zahlungsbeleg oder eine andere beweiskräftige Unterlage zwei Jahre aufbewahren;
- eine andere Leistung an einen Nichtunternehmer aus, ist er berechtigt, eine Rechnung auszustellen. Eine Rechnung muss folgende Angaben enthalten:
- die vollständigen Namen und Anschriften von Unternehmer und Leistungsempfänger
- die Steuernummer oder die vom Bundesamt für Finanzen vergebene Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Unternehmers (gilt nicht für Kleinunternehmer - siehe [http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_01/nn_3792/DE/Aktuelles/BMF__Schreiben/12840.html BMF-Schreiben vom 28.06.2002])
- das Ausstellungsdatum
- die fortlaufende Rechnungsnummer
- die Menge und Art der gelieferten Gegenstände oder Umfang und Art der Leistungen
- den Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung oder Vereinnahmung des Entgelts; bei Anzahlung der Zeitpunkt der Zahlung, sofern der feststeht und nicht mit dem Ausstellungsdatum identisch ist
- das Entgelt, aufgeschlüsselt nach Umsatzsteuersätzen oder -befreiungen, sowie auf das Entgelt entfallenden Steuerbetrag oder den Hinweis auf die Steuerfreiheit
- bei Lieferungen oder Leistungen im Zusammenhang mit einem Grundstück ein Hinweis auf die Aufbewahrungspflicht für Nichtunternehmer Der Unternehmer hat ein Doppel der Rechnung sowie alle Rechnungen, die er erhalten hat, zehn Jahre aufzubewahren. Die Rechnungen müssen für den gesamten Zeitraum lesbar sein. Die Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die Rechnung ausgestellt worden ist. Eine Rechnung kann auch elektronisch übermittelt werden, ihre Echtheit muss dann aber durch bestimmte Verfahren überprüfbar sein. Wer in einer Rechnung einen Umsatzsteuerbetrag gesondert ausweist, obwohl er zum gesonderten Ausweis der Steuer nicht berechtigt ist, schuldet den ausgewiesenen Betrag.

Siehe auch


- Kassenbon
- Eigenbeleg bei verlorener Rechnung
- Skonto
- Fakturierung
- Kreditkarte

Weblinks


- [http://www.saarland.ihk.de/ihk/fairplay/merkblaetter/r30.pdf Merkblatt zu Rechnungen (PDF)]
- [http://www.lrz-muenchen.de/~rgerling/gesetze/sonst/steuernummer.html Steuernummer in einer Rechnung] Kategorie:Urkunde Kategorie: Steuerrecht Kategorie: Handel


Tausch

Tausch ist in den Wirtschaftswissenschaften die freiwillige, gegenseitige Übertragung von Gütern und Dienstleistungen. Eine Tauschwirtschaft im Sinne einer Wirtschaftsform, die nur auf dem direkten Tausch von Gütern basiert und kein Wertübertragungsmittel wie Geld verwendet (engl. 'barter' [http://en.wikipedia.org/wiki/Barter]), gibt es nicht und hat es nie gegeben. Es handelt sich vielmehr um eine Konstruktion der VWL, bei der man sich eine auf Kauf und Verkauf basierende Ökonomie ohne Geld vorstellen soll. Es gibt jedoch auch elektronischen Datenaus-Tausch im Sinne von Filesharing, wo kein direkter Gegenwert erwartet wird, sondern nur ein generelles Tauschen in einem Netzwerk vorausgesetzt wird um diese Art von Geben und Nehmen überhaupt erst zu ermöglichen. In der Soziologie wird der Begriff weiter ausgespannt, bis hin zu jedem Austausch von positiven oder negativen sozialen Sanktionen. Im Gegensatz zum Tausch steht das Geschenk oder die Gabe.

Siehe auch


- Tausch (Soziologie)
- Tauschvertrag
- Äquivalenztausch
- Kompensationshandel
- Ökonomischer Tausch
- Markt
- Transaktion
- Tauschkreis
- Tauschbörse
- Wechsel Kategorie:Wirtschaft

Dienstleistung

Dienstleistung bezeichnet in der volkswirtschaftlichen Abgrenzung eine Leistung, die nicht der Produktion eines materiellen Gutes dient. Damit wird sie dem tertiären Sektor zugeordnet. Die Urproduktion (primärer Sektor) und die Produktion von Industriegütern (sekundärer Sektor) sind davon abzugrenzen. Dienstleistungen werden von einer natürlichen Person oder einer juristischen Person zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen erbracht (i. d. R. gegen Entgelt). Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird eine Dienstleistung von der Sachleistung unterschieden. Die Dienstleistung ist nicht lagerbar, selten übertragbar (Immaterialität der Dienstleistung) und benötigt einen externen Faktor (Integration des externen Faktors). Die Erzeugung und der Verbrauch der Dienstleistung fallen meist zeitlich zusammen (uno-actu Prinzip). Dienstleistungen sind nicht materiell, können aber materielle Bestandteile enthalten, beispielsweise ein Trägermedium, auf dem das Ergebnis der Dienstleistung übergeben wird. Die Güte der Dienstleistung bezeichnet man als Service-Qualität. Durch den Immaterialitätsgrad kann es dabei zu Problemen bei der Messung der Dienstleistungsqualität kommen. Dienstleistungen werden in standardisierte und individuelle Dienstleistungen unterschieden. Merkmal von standardisierten Dienstleistungen ist, dass die Leistung für einen fiktiven Durchschnittskunden erstellt wird. Die individuelle Dienstleistung wird hingegen für ein konkretes Individuum erstellt. Der Grad der Beteiligung (Integrationsgrad) des Kunden ist bei individuellen Dienstleistungen höher. Die Abgrenzung zwischen Dienstleistung und Produktion ist hierbei fließend. Die Produktion eines vom Kunden eigens bestellten Gegenstandes (z.B. ein Schrank) ist auch eine Dienstleistung. Der Kunde hat hier die Möglichkeit, die Arbeit zu reklamieren oder in Frage zu stellen. Die Produktion eines Schranks, der im Handel gekauft werden kann, ist hingegen keine Dienstleistung, da die Produktion nicht auf Wunsch verändert oder reklamiert werden kann. Demnach ist die betriebswirtschaftliche Definition von Dienstleistung nunmehr: Jede Art von Arbeit, die im Sinne oder nach dem Wunsch eines Kunden ausgeführt wird. Anders beschrieben - das "Bemühen", das Bedürfnis des Kunden zu befriedigen. Beispiele für Dienstleistungsbereiche:
- Handel
- Verkehr, Transport (Verkehrsdienstleistung)
- Kreditinstitute
- Versicherungsgewerbe
- Gastronomie, Hotellerie
- Wäscherei, Körperpflege, Fotoateliers
- Wasser-, Energieversorgung, Telekommunikation
- Arbeitnehmer- Arbeitgeberverhältnis Kategorie:Dienstleistungssektor Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Wirtschaft

Münze

Münze]] Eine Münze (v. lat. moneta) ist ein meist rundes, aus Metall geprägtes (seltener auch gegossenes) Zahlungsmittel.

Grund für den Münzgebrauch

Münzen hatten, weil sie aus Edelmetallen geprägt waren, gegenüber den Waren eine höhere Wertbeständigkeit. Der Grund liegt darin, dass der Wert des Edelmetalls nur durch die Knappheit sowie durch Angebot und Nachfrage beeinflusst war, nicht jedoch wie bei Waren durch einen in der Ware selbst liegenden Wertverfall. (Ein Brötchen ist nach einiger Zeit ungenießbar, eine Stück Edelmetall ändert seine Eigenschaften durch bloßes Nichtstun jedoch nur unwesentlich).

Geschichte des Münzgeldes

Das erste Metallgeld wurde etwa 2000 v. Chr. im Mittelmeerraum verwendet. Es handelte sich dabei um Haustierminiaturen aus Bronze. Dass sich das Metallgeld in der Folgezeit sehr schnell verbreitete, dürfte vor allem darin begründet sein, dass die Tauschgeschäfte, die bis dahin getätigt wurden, nur sehr ungenau waren und vor allem zur Täuschung geradezu einluden. Münzen hingegen erleichterten den Handel wesentlich. Sie hatten den Vorteil, immer gleiche Größe, gleiches Gewicht und gleiches Aussehen zu besitzen und statt gewogen abgezählt werden zu können. Die ersten Münzen wurden von den Lydern im Westen der heutigen Türkei zwischen 650 und ca. 620 v. Chr. als Zahlungsmittel herausgegeben und unter König Alyattes aus Elektron geschlagen. Dabei handelte es sich um klumpenförmige, natürliche Elektron-Nuggets, welche das königliche Siegel trugen. Bildliche Darstellungen auf Münzen kamen um 620 v. Chr. auf. Danach folgten Münzen in Gold in verschiedenen Größen und Werten, um die Bezahlung von Söldnern zu vereinfachen. Dazu wurde Goldstaub von bestimmter Menge zu Münzen verschmolzen und mit einem Prägebild des Königs versehen. Der letzte Lyderkönig Krösus gelangte so in den Ruf, unermesslich reich zu sein. Die ersten Silbermünzen wurden um 550 v. Chr. in Kleinasien und auf der Insel Aegina geprägt. Sie trugen das Bild einer Löwen- bzw. Stierprotome (Kleinasien); auf den Münzen der griechischen Insel Aegina wurde eine Seeschildkröte abgebildet. Kurz darauf prägten auch Athen und Korinth Münzen. Lange blieben die Münzen aus Aegina ("Schildkröten" genannt) sowie die aus Korinth ("Fohlen") und Athen ("Eulen") die beherrschenden Zahlungsmittel des frühen Griechenland. Auch in vielen griechischen Kolonien wurden Münzen geprägt. Syrakus auf Sizilien verfügte über die ausgeprägteste Münzkultur außerhalb des eigentlichen Griechenlands. Bis in etwa 400 v. Chr. setzte sich die Münze in ganz Griechenland gegenüber dem Tauschhandel durch. Allerdings gab es kein einheitliches griechisches Münzsystem, sondern mehrere Regionen, in denen jeweils eine Münzfamilie dominierte. Langsam baute aber der 17 Gramm schwere attische Tetradrachmon mit seinen Scheidemünzen (Obolos) und größeren Einheiten zu zehn oder zwölf Drachmen eine dominierende Stellung auf. Bis 400 v. Chr. nahm auch die handwerkliche Reife der Darstellungen auf den Münzen zu, wenn auch Götterbilder und geheiligte Tiere weiter die bestimmenden Motive blieben. Die noch primitiven Prägemethoden mit Hammerschlägen auf einem Amboss führten dazu, dass viele Münzen dieser Zeit nur unvollständig geprägt sind und gesprungene Ränder aufweisen. Die Darstellung von Herrschern auf Münzen setzte sich im griechischen Raum und in den Diadochenreichen erst nach Alexander dem Großen durch. Silber blieb der bestimmende Rohstoff, nur für kleinere Scheidemünzen kam langsam Kupfer in Gebrauch. Erst unter römischer Herrschaft wurden in Griechenland Münzen aus Kupfer oder Bronze und mit Herrscherportrait, Stadtansichten, mythologischen Motiven oder Darstellungen von Künstlern und Gelehrten zur Regel. Silberprägungen gab es nur noch in wenigen Fällen. Die ersten Münzen der römischen Republik stammen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und wurden aus Kupfer oder Bronze geschlagen, die großen, ein Pfund schweren Kupferstücke (Aes grave) gegossen. Als Motiv tragen alle frühen römischen Münzen auf der Rückseite einen Schiffsrumpf, was an die Eroberung der Flotte von Antium erinnern sollte, und auf der Vorderseite verschiedene Götterbilder. Die erste römische Silbermünze mit Götterbild auf der Vorderseite und Wölfin mit Romulus und Remus auf der Rückseite wurden gegen 269 v. Chr. geschlagen. Die Silberprägung im großen Stil setzte in Rom aber ca. 211 v. Chr. mit dem Denar ein. Ihre Gestaltung ist vielfältig, da die einzelnen Münzmeister die Münzen frei gestalten konnten. Meist finden sich auf diesem "Familienmünzen" Motive aus der Mythologie und der römischen Geschichte sowie Vorfahren der Münzmeister. Julius Caesar war der erste Lebende, der auf einer römischen Münze abgebildet wurde, allerdings erst in seinem Todesjahr 44 v. Chr, als der Senat ihm ein entsprechendes Recht verlieh. Vor seiner Ermordung ließ Caesar eine große Menge "seiner" Münzen prägen. In der Folgezeit häuften sich die Abbildungen lebender römischer Politiker, erstmals fanden sich auch deren Gattinen auf Münzen wieder. Von Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert waren fast im gesamten deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme des Rheinlands) Brakteaten die vorherrschende Münzsorte. Dies waren dünne, einseitig geprägte, silberne Pfennigmünzen. In einigen Schweizer Kantonen wurden noch bis ins 18. Jahrhundert brakteatenartige Rappen, Haller und Angster hergestellt. Brakteaten wurden von Zeit zu Zeit "verrufen", d. h. für ungültig erklärt und von ihren Besitzern zurückgefordert, um sie gegen eine geringere Menge neue Münzen umzutauschen. Der Abschlag konnte bis zu 25 % betragen. Dies war eine damals übliche Form der Steuererhebung. Da solche Münzverrufungen immer rascher aufeinander folgten, entstand Unmut und der Ruf nach einem dauernhaften Geld, einem sogenannten "ewigen Pfennig". Dies führte zur Aufgabe der Brakteaten. Das deutsche Münzrecht beginnt 1356, als der Kaiser mit seiner "Goldenen Bulle" das Münzrecht der Kurfürsten ausdrücklich anerkennt. Von diesem Zeitpunkt bis 1871 ist die Münzgeschichte in Deutschland von großer Vielfalt geprägt, da jeder Kleinstaat sein eigenes Geld ausgibt. Während Geld in Form von Münzen anfänglich aus wertvollem Material bestand (Gold, Silber) und ihr Tauschwert dem Wert dieses Materials entsprach (vollwertige Münzen), wurden später Münzen hergestellt, deren Materialwert unter ihrem Tauschwert lag, indem man die Münzen kleiner und leichter machte oder sie aus einer Legierung aus wertvollem und geringerwertigem Material herstellte (unterwertige Münzen). Weiteres siehe unter Geld.

Der Unterschied zwischen Medaillen und Münzen

Geld Münzen sind vom Staat genehmigte und geschlagene Währungseinheiten, und tragen üblicherweise die rechts abgebildeten Merkmale. Medaillen darf und kann jedermann beliebig gestalten und prägen. Fehlt eines oder mehrere der Merkmale, kann man mit großer Sicherheit von einer Medaille ausgehen. Allerdings: keine Regel ohne eine Ausnahme. So tragen die Schweizer Rappen (Untereinheit des Schweizer Franken) nur das Nominal, ohne Angabe der Währungseinheit. Noch drastischer ist es bei den britischen Crowns der Prägejahre 1965-1971. Diese tragen weder ein Nominal, noch die Angabe der Währungseinheit. Wie alle britischen Münzen tragen sie nicht einmal eine Staatsbezeichnung. Lediglich die Abbildung von Elizabeth II. lässt erahnen, woher die Münze stammt. Die Vorderseite (das Avers) der Münze ist übrigens dort, wo in der Regel der Kopf des Herrschers zu sehen ist (in Deutschland der Bundesadler), die Rückseite (der Revers) hingegen dort, wo die Wertangabe ist. Da sich auf der Rückseite häufig ein Text oder ein Wappen befindet, wird diese Seite auch Schrift- oder Wappenseite genannt.

Pseudomünzen

Pseudomünzen sind münzähnliche Gepräge, welche
- von einem Staat ohne Münzrecht genehmigt und geschlagen wurden (z. B. Westsahara)
- ohne Genehmigung des Staates geschlagen wurden (z. B. Burundi)
- von Körperschaften ausgegeben wurden, welche nicht den Status eines Landes tragen (z. B. Malteserorden) Von Pseudomünzen spricht man in der Regel, wenn die Münzen nicht im eigentlichen Ausgabeland kursieren.

Münzmetalle

Ursprünglich wurden für die Herstellung von Münzen fast ausschließlich Gold, Silber und Kupfer bzw. Bronze verwendet. Im 20. Jahrhundert kamen vermehrt andere Metalle wie Eisen, Nickel, Zink, Aluminium oder Chromstahl zur Anwendung. Häufig werden diese Metalle miteinander legiert, dabei ist Kupfer wegen seiner antibakteriellen Wirkung ein wichtiger Bestandteil heutiger Münzlegierungen; die gängigste Münzlegierung ist heute Kupfer-Nickel. Nicht bewährt hat sich aus gesundheitlicher Sicht die Verwendung von Blei. Der relative Anteil des Edelmetalls wurde durch den sogenannten Münzfuß festgelegt. Münzen, deren Kurswert durch den inneren Wert (Metallwert) bestimmt ist, werden Kurantmünzen genannt. Dies traf früher auf die meisten Edelmetallmünzen zu. Der Wert heutiger Münzen ist hingegen nur durch staatliche Garantien gedeckt, womit es sich um Kreditgeld handelt.

Recht

In den Mitgliedsländern der Europäischen Währungsunion muss gemäß der EG-Verordnung Nr. 974 / 98 des Rates vom 3. Mai 1998 niemand mehr als fünfzig Münzen in einer Zahlung annehmen (mit Ausnahme der ausgebenden Behörde und den in § 3 Münzgesetz genannten Personen). Siehe hierzu auch den Artikel gesetzliches Zahlungsmittel.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch:


- Geld,
- Numismatik,
- Münzen sammeln

Literatur


- Dieter Fassbender, Münzen Sammeln
- Horst Winskowsky, Münzen Pflegen

Weblinks


- [http://www.numispedia.de Numismatische Online-Enzyklopädie] Kategorie:Numismatik Kategorie:Geld ja:硬貨 nb:Mynt simple:Coin zh-min-nan:Gîn-kak-á

Bankkonto

Bankkonten sind (Bestands-)Konten welche eine Bank für seine Kunden führt. #Einzelkonto: das ist ein Konto, welches nur einen Kontoinhaber hat. Gleichzeitig können aber mehrere Personen (z. B. gesetzliche Vertreter oder Bevollmächtigte) über das Konto verfügungsberechtigt sein. #Gemeinschaftskonto: von einem Gemeinschaftskonto spricht man, wenn mehrere Kontoinhaber (natürliche oder juristische Personen) vorhanden sind. ##Und-Konto: bedeutet, dass die Kontoinhaber nur gemeinschaftlich über das Konto verfügen können. Die Ausstellung von Karten zur Geldabhebung oder bargeldlosen Verfügung (ec-Karten, Kreditkarten etc.) ist grundsätzlich nicht möglich. Ausnahme: Kontoinhaber bevollmächtigen sich gegenseitig, so dass doch eine Einzelverfügungsberechtigung vorliegt. ##Oder-Konto: bei einem Oder-Konto sind alle Inhaber berechtigt auch ohne den/die anderen Inhaber über das Konto zu verfügen. Ein Oder-Konto kann durch den Widerruf eines der Inhaber zu einem Und-Konto umgewandelt werden. Dies ist z. B. bei anstehenden Scheidungen und einem Gemeinschaftskonto interessant. Man unterscheidet:
- Zahlungsverkehrskonten (Girokonten)
- Sparkonten (oft als Sparbuch - neuerdings haben hier auch Plastikkarten eine wachsende Bedeutung)
- Termingeldkonten
- Tagesgeldkonten
- Revolvingkonto Kategorie:Rechnungswesen Kategorie:Zahlungsverkehr

Wertkarte

Eine Prepaidkarte (Guthabenkarte, in Österreich auch Wertkarte) ist eine vorausbezahlte Mobiltelefonkarte ohne Vertragsbindung, deren Guthaben abtelefoniert werden kann. Es fallen nur die reinen Gesprächskosten an; eine Grundgebühr wird nicht erhoben. Deshalb sind die Minutenpreise höher als bei Postpaid-Karten. Es gibt Starterpakete mit Mobiltelefon, SIM-Karte und Start-Guthaben. Neue meist günstigere Prepaid-Anbieter, wie zum Beispiel simyo, debitel-light oder blau.de gehen dazu über, nur noch SIM-Karte und Start-Guthaben anzubieten. Ist das Guthaben abtelefoniert oder verfallen, ist die Handynummer trotzdem noch für einen gewissen Zeitraum (zwischen 2 und 15 Monaten) erreichbar. Wird das Guthaben in diesem Zeitraum nicht wieder aufgeladen, so wird die Karte gesperrt bzw. die Handynummer gelöscht. Es wird hier zwischen „PhoneTime“ (Guthabengültigkeit) und der daran anschließenden „MessageTime“ (Erreichbarkeit nach Ablauf der PhoneTime) unterschieden. Die Guthabengültigkeit liegt zwischen 3 und 24 Monaten. Aufgeladen werden können Prepaid-Karten mittels Rubbelkarten, PIN-Printing oder Direktaufladung. Die Guthaben-Beträge liegen zwischen 10 und 50 €. Die Prepaid-Karten werden in Kiosken, an Automaten, an Tankstellen, in Supermärkten, in Geldausgabeautomaten, im Online-Banking und im Internet verkauft. Im Internet werden als Zahlungsmittel Vorkasse (Banküberweisung, Dauerauftrag), Kreditkarte, Lastschrift oder Firstgate angeboten. Während bei vielen Mobilfunkanbieter Prepaid-Karten parallel zu Vertrags-Handys beworben werden, haben sich einige MVNOs ausschließlich auf den Vertriebsweg mittels Prepaid-Karten spezialisiert. Die Prepaid-Kartenangebote der deutscher Mobilfunkanbieter heißen unter anderem: CallYa (Vodafone), Xtra (T-Mobile), LOOP (O2), simyo (simyo/E-Plus) und Free & Easy (E-Plus). Die Prepaid-Kartenangebote österreichischer Mobilfunkanbieter heißen: B-Free (A1 – Mobilkom Austria), Klax (T-Mobile Austria), TAKE ONE (ONE), Twist (Tele.ring) und Drei Reload (Drei). Die Mobilfunkgesellschaft YESSS! bietet ausschließlich Prepaid-Karten an. Die Prepaid-Kartenangebote der Schweizer Mobilfunkanbieter heißen unter anderem: Easy (Swisscom), Pronto (Sunrise) und PrePay (Orange). Zudem bieten Orange mit orangeclick.ch und Sunrise mit Yallo Prepaid-Angebote an welche vom Kunden im Selbstbedienungsverfahren über das Internet abgewickelt werden und dementsprechend günstiger sind. Kategorie:Mobilfunk

Vertrauen

Vertrauen ist die subjektive Überzeugung (auch Glaube) der Richtigkeit bzw. Wahrheit von Handlungen und Einsichten eines anderen oder von sich selbst (Selbstvertrauen). Zum Vertrauen gehört auch die Überzeugung der Möglichkeit von Handlungen und der Fähigkeit zu Handlungen. Das Gegenteil des Vertrauens ist das Misstrauen.

Etymologie

Vertrauen ist als Wort seit dem 16. Jahrhundert bekannt (althochdeutsch: „fertruen“, mittelhochdeutsch: „vertruwen“) und geht auf das gotische trauan zurück. Das Wort „trauen“ gehört zu der Wortgruppe um „treu“ = „stark“, „fest“, „dick“.

Charakteristik

Vertrauen ist ein Phänomen, das in unsicheren Situationen auftritt: wer sich einer Sache sicher sein kann, muss nicht vertrauen. Vertrauen ist aber auch mehr als nur Glaube oder Hoffnung, es benötigt immer eine Grundlage („Vertrauensgrundlage“). Dies können gemachte Erfahrungen sein, aber auch das Vertrauen einer Person, der man selbst vertraut (Vertrauen ist teilweise übertragbar). Jemandem sein ganzes Vertrauen zu schenken, kann sehr aufregend sein. Als Beispiel: Das Vertrauen, das ein Kind dem Vater schenkt, wenn es von oben herab in die ausgebreiteten Arme springt - sowohl für den Vater als auch für das Kind. (Die Geschichte wird oft im übertragenen Sinn erzählt - als Gottvertrauen.)

Beispiele


- Vertrauen zwischen zwei Personen beruht meist auf Gegenseitigkeit.
- Vertrauen zwischen zwei Personen basiert in der Regel auf gemeinsam gemachten Erfahrungen.
- Fragen des Vertrauens beruhen oft auch auf gegenseitigem Verstehen und auf früheren Handlungen.
- Vertrauen bietet oft Vorteile, denn über längere Sicht betrachtet gewinnen Strategien, die auf Vertrauen basieren und zu Kooperation führen, mehr, als Strategien, die auf Misstrauen beruhen.
- Vertrauen kann man vergrößern, indem man Informationen gibt oder gewinnt. (Vertrauensbildende Maßnahmen)
- Oft können Verhandlungen zwischen Gegnern erfolgreicher geführt werden, wenn sie von einer Person des Vertrauens moderiert werden (Mediation).
- Vertrauen kann auch darin bestehen, dass man ein Geheimnis für sich behält. („Im Vertrauen gesagt, vertraulich“.)

Spiritualität

Vertrauen ist im spirituellen Denken das, worum sich unser Leben dreht: Das Vertrauen in unsere innewohnenden göttlichen Fähigkeiten wieder herzustellen. Alles ist nur einen Gedanken weit entfernt. Vertrauen wir darauf, haben wir das schöpferische Talent in uns entwickelt (ab/ ausgewickelt). Das, was wir auf dieser Erde lernen sollen bzw. wiedererlangen sollen, ist das BEWUSSTE Vertrauen in unsere gottgegebenen Fähigkeiten. In den Odem Gottes, den er uns im Paradies einhauchte. Oder in die Seele, die uns von Gott (Urgott) mit auf die Reise gegeben wurde. Gott ist im spirituellen Denken religionsfrei, er steht über/ hinter den Religionen.

Verwandte Gebiete


- In den Wirtschaftswissenschaften gibt es erst seit der Revidierung des Homo oeconomicus Axioms Platz für ein Konstrukt wie Vertrauen. Besonders die Ökonomie beschäftigt sich seit den 80er Jahren intensiv mit dem Thema (wichtige Autoren: Oliver E. Williamson (1993), Tanja Ripperger (1998), Michael Platzköster (1990)), aber auch die Betriebswirtschaft spart nicht mit Veröffentlichung (besonders im Bereich des Organizational Behaviour, z. B. Bart Noteboom/Frederique Six (2003), Roderick Kramer/Tom Tyler (1996), oder Roderick Kramer (2005)). Jedoch gibt es Uneinheitlichkeiten bei den Definitionen, den Begriffsverwendungen, den verwandten Konstrukten und den implizierten Mechanismen, was eine Vertrauenstheorie in den Wirtschaftswissenschaften verhindert.
- Besondere Bedeutung kommt dem Konstrukt "Vertrauen" auch im Rahmen des Marketing zu. So spielen bei produktpolitischen Entscheidungen die Vertrauenseigenschaften eine große Rolle, bei der Preisfindung wiederum das Preisvertrauen (Erwartung, dass ein Unternehmen den Preis ausschließlich eigennützig festlegt). In der Distributionspolitik entscheidet das Vertrauen in die Absatzwege über den Erfolg eines Produktes (bspw. Vertrauen in neue Medien), und die Kommunikationspolitik muss sich mit einem geringen Vertrauen in die Aussagen der Werbung auseinandersetzen. Entscheidend ist Vertrauen schließlich auch im Markenmanagement: Dort spricht man von Markenvertrauen als einer der wesentlichen Einflussgrößen der Kundenloyalität. Hierzu liegen bereits einschlägige empirische Studien vor (siehe Weblinks).
- In der Soziologie wird Vertrauen zumeist als „Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“ (Niklas Luhmann) bezeichnet. Siehe auch: "International Sociology", Jg. 20, H. 3 (Sonderheft The trust-control nexus in organizational relations), Sept. 2005.
- In der Politikwissenschaft ist vor allem das als Institutionenvertrauen bezeichnete Vertrauen der Bevölkerung in die Fähigkeit von Institutionen, Kontrolle über Ressourcen, Handlungen und Ereignisse im Sinne der Bevölkerung auszuüben, wichtig.
- In der Verwaltungswissenschaft werden Möglichkeiten des Vertrauensauf- bzw. -ausbaus nach Ethikeklats und Korruptionsfällen diskutiert (Verwaltungsethik).
- In der Entwicklungspsychologie spricht man vom Urvertrauen.
- Im (öffentlichen und privaten) Recht wird „Vertrauen“ als schützenswertes Rechtsgut behandelt.
- In der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Zuverlässigkeitstheorie spricht man vom Vertrauensbereich, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis in diesen Bereich fällt, größer ist, als die Irrtumswahrscheinlichkeit.
- In der Biochemie wird das Hormon Oxytocin für die Vertrauensbildung verantwortlich gemacht.

Siehe auch


- Kooperation
- Betrug
- Misstrauen
- Soziales Vertrauen

Literatur


- Markert, Bernd: Was kostet Ein Pfund Ehrlichkeit? (Vertrauen vor Vertrag)

Weblinks


- [http://www.welt.de/data/2005/06/03/726639.html Vertrauen geht durch die Nase - Die Welt]
- [http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/woerterbuch/?cnt=24872&index_page=24 Wörterbuch Frankfurter Rundschau]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/255139.html www.wissenschaft.de: Das Vertrauen in Fremde wird bei Männern und Frauen von unterschiedlichen Kriterien bestimmt]
- [http://www.marketingverein.de/Publikation/Marken/AP_Markenvertrauen/Markenvertrauen.html: Erfolgsfaktor "Markenvertrauen": Ergebnisse einer empirischen Studie] Kategorie:Sozialpsychologie Kategorie:Soziologie

Bankwesen

Das Bankensystem oder Bankwesen ist die Gesamtheit aller der Versorgung mit Geld, der Vermittlung von Krediten und dem Zahlungsverkehr dienenden öffentlichen und privaten Institute und Unternehmen einschließlich ihrer organisatorischen Verflechtungen und gesetzlichen Regelungen. Dazu zählen hauptsächlich Zentralbanken, Geschäftsbanken, die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ. Alle derartigen Institutionen werden bezeichnet als Kreditinstitute. Ihnen gegenüber stehen die Nichtbanken als Kunden.

Siehe auch:


- Kreditinstitut. Kategorie:Bank und Kreditwesen

Tausch

Tausch ist in den Wirtschaftswissenschaften die freiwillige, gegenseitige Übertragung von Gütern und Dienstleistungen. Eine Tauschwirtschaft im Sinne einer Wirtschaftsform, die nur auf dem direkten Tausch von Gütern basiert und kein Wertübertragungsmittel wie Geld verwendet (engl. 'barter' [http://en.wikipedia.org/wiki/Barter]), gibt es nicht und hat es nie gegeben. Es handelt sich vielmehr um eine Konstruktion der VWL, bei der man sich eine auf Kauf und Verkauf basierende Ökonomie ohne Geld vorstellen soll. Es gibt jedoch auch elektronischen Datenaus-Tausch im Sinne von Filesharing, wo kein direkter Gegenwert erwartet wird, sondern nur ein generelles Tauschen in einem Netzwerk vorausgesetzt wird um diese Art von Geben und Nehmen überhaupt erst zu ermöglichen. In der Soziologie wird der Begriff weiter ausgespannt, bis hin zu jedem Austausch von positiven oder negativen sozialen Sanktionen. Im Gegensatz zum Tausch steht das Geschenk oder die Gabe.

Siehe auch


- Tausch (Soziologie)
- Tauschvertrag
- Äquivalenztausch
- Kompensationshandel
- Ökonomischer Tausch
- Markt
- Transaktion
- Tauschkreis
- Tauschbörse
- Wechsel Kategorie:Wirtschaft

Philosophie

. Ausschnitt aus „Die Schule von Athen“ von Raffael (um 1510).]] Die Philosophie (griech. φιλοσοφία, philosophia wörtlich „Liebe zur Weisheit“) hat im Gegensatz zu den einzelnen Wissenschaften keinen klar bestimmbaren, begrenzten Gegenstandsbereich. Allgemein könnte man sie als den Versuch der kritisch-rationalen Selbstüberprüfung des Denkens bezeichnen, als eine methodische Reflexion. Der Versuch, Philosophie zu definieren, ist bereits Gegenstand der Philosophie selbst. Der Beginn des philosophischen Denkens im 6. vorchristlichen Jahrhundert markiert den eigentlichen Beginn der europäischen Geistesgeschichte. Erst im Laufe der Jahrhunderte differenzierten sich die Methoden und Diszplinen der Welterschließung, indem sich die einzelnen Wissenschaften nach und nach aus der Philosophie ausgliederten. Die bis heute gültigen Kerngebiete der Philosophie sind die Logik als die Wissenschaft vom folgerichtigen Denken, die Ethik als die Wissenschaft vom rechten Handeln und die Metaphysik als die Wissenschaft von den ersten Gründen des Seins und der Wirklichkeit; weitere Grunddisziplinen sind die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, die sich mit den Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns im allgemeinen bzw. speziell in den unterschiedlichen Einzelwissenschaften beschäftigen.

Begriffsgeschichte

Der Begriff Philosophie, zusammengesetzt aus griech. φίλος „Freund“ und σοφία „Weisheit“, bedeutet, wörtlich aus dem Griechischen übersetzt „Liebe zur Weisheit“ bzw. einfach „zum Wissen“ – denn sophía besitzt zunächst einmal jemand, der ein Fachmann für etwas ist. Die Wortprägung Philosophie tritt wahrscheinlich das erste Mal bei Platon auf. Zwar wurde in der späteren Antike die Einführung des Begriffes „Philosophie“ Pythagoras von Samos zugeschrieben (vgl. Diogenes Laertios De vita et moribus philosophorum, I, 12; Cicero: Tusculanae disputationes, V, 8-9). Diese Zuschreibung geht zurück auf eine Notiz aus einem verlorenen Werk des Herakleides Pontikos, eines Schülers des Aristoteles. Vermutlich ist diese Notiz aber nicht korrekt: Sie folgt dem Muster der weitverbreiteten Pythagoras-Legenden jener Zeit. Ursprünglich bezog sich der Begriff „Philosophie“ auf eine Denktradition, die vom antiken Griechenland ausging. Er wird heute aber auch für asiatische Denktraditionen (östliche Philosophie) und eher religiöse Weltanschauungen verwendet. Daneben taucht der Begriff in jüngerer Zeit im Wirtschafts-Jargon und in der Technik als Synonym für Strategie oder Gesamtkonzept auf (Unternehmensphilosophie, Designphilosophie).

Was ist Philosophie?

Die Frage, was Philosophie eigentlich ist, ist bereits eine philosophische Frage. Philosophie ist nicht in eine allgemeingültige feste Definition zu bringen. Es ließe sich auch keine finden, der alle Philosophen zustimmen könnten, weil jeder, der philosophiert, eine eigene Sicht der Dinge entwickelt. Daher gibt es beinahe so viele Antworten auf diese Frage, wie es Philosophen gibt. Die Verwendung des Begriffs „Philosophie“ in der Geschichte füllt im Historischen Wörterbuch der Philosophie so viele Spalten, dass dieser Artikel als eigenständiges Buch publiziert wurde. Carl Friedrich von Weizsäcker hat es einmal so formuliert: „Philosophie ist die Wissenschaft, über die man nicht reden kann, ohne sie selbst zu betreiben.“

Selbstverständnis

Carl Friedrich von Weizsäcker (12. Jh.), Detail]] Die ersten Philosophen, die sich selbst so bezeichneten – Platon und Sokrates – verstanden Philosophie als Alternative zur mythischen Religion und ihrer Ordnung. Indem sich der Mensch durch Philosophieren die Welt selbst erklärt, emanzipiert er sich von der Welt des Aberglaubens, der Priesterherrschaft und der Götter. Sokrates wurde deshalb als „Verderber der Jugend“ hingerichtet. Bis in die Gegenwart hinein setzt sich die Philosophie stets kritisch mit der Religion auseinander, grenzt sich von ihr ab und betrachtet sich dieser in der Regel als überlegen. Das Selbstverständnis der Philosophie hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder gewandelt. Vor allem in bestimmten Phasen der Neuzeit wurde sie als allen Einzelwissenschaften übergeordnete Universalwissenschaft begriffen, die – um die Wirklichkeit als Ganzes zu erfassen – zu den letzten Ursachen und Prinzipien vordringt und dabei ewiggültige, allgemeine Wahrheiten entdeckt und zugänglich macht (Philosophia perennis). Im Mittelalter wurde der Kern der Philosophie durch die so genannten artes liberales bestimmt, zu denen Grammatik, Dialektik, Rethorik sowie Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik gehörten. Dabei dominierte zeitweise das Bild der Philosophie als einer „Dienerin der Theologie“ (ancilla theologiae), d.h. als Hilfswissenschaft. Noch bis ins 18. Jahrhundert war die Philosophie eine der klassischen Fakultäten neben Theologie, Medizin und Recht. Erst nach einer grundlegenden Ausbildung in Philosophie, die mit dem Magister abschloss, konnten sich die Studenten naturwissenschaftlichen Fragen und Forschungen zuwenden. Im 19. Jahrhundert begann dann immer mehr die Verselbständigung zunächst der Naturwissenschaften und dann auch der philologischen und der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Die moderne Fachwissenschaft Philosophie zieht ihre Rechtfertigung aus dem Anspruch, philosophische Methoden könnten auch für andere Wissens- und Praxisgebiete hilfreich sein. Darüber hinaus betrachten die Philosophen die Erörterung ethischer Themen und Grundsatzfragen als ihr ureigenes Gebiet.

Charakteristika

gesellschaftswissenschaftlichen (1750)]] Der Beginn aller Philosophie ist das Sich-Wundern, das Staunen. Platon schrieb: „Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen“, und auch Aristoteles stellte fest: „Staunen veranlasste zuerst – wie noch heute – die Menschen zum Philosophieren.“ Menschen, denen alles selbstverständlich erscheint, finden nicht zur Philosophie. Durch ihr Staunen ist die Philosophie die Mutter aller Wissenschaften. Dies gilt sowohl historisch, da aus ihr alle anderen Wissenschaften entstanden sind, als auch systematisch, da sie als Meta-Wissenschaft über die Aufgaben und Möglichkeiten der Wissenschaften reflektiert. Ein ähnlicher Grundzug der Philosophie ist das Fragen, besonders auch das Infragestellen des scheinbar Zweifelsfreien und Selbstverständlichen. Das Fragen ist damit eine weitere Quelle der Philosophie. Aus sich selbst heraus kann die Philosophie dem Fragen keine Grenzen setzen: Sie stellt radikal alles in Frage – sogar sich selbst. Dadurch beginnt die Philosophie gleichsam immer wieder bei Null, da jede einzelne Aussage immer wieder hinterfragt werden darf. Es ist erlaubt, alles zu bezweifeln, außer dem Zweifeln selbst. Der philosophische Diskurs ist daher eine niemals endende, kontroverse Diskussion. Die Philosophie umfasst verschiedene geistige Bemühungen. Dabei handelt es sich um Nachdenken, Analysieren und Überprüfen mit Hilfe der Mittel des vernünftig-rationalen, kritischen Denkens. Philosophie stellt die Fragen, die die Wissenschaften (bisher) nicht beantwortet haben oder grundsätzlich nicht beantworten können. Diese Fragen richten sich auf den Menschen selbst und die ihn umgebende Welt. Philosophie wird also nicht um ihrer selbst willen betrieben, sondern um des Menschen willen. Dabei findet sie nie allgemein anerkannte Antworten, sondern stellt einen endlosen, dynamischen Prozess dar. Philosophisch gebildete Menschen unterscheiden sich darum von den übrigen nicht darin, dass sie mehr (nützliches) Wissen zur Verfügung hätten. Sie besitzen allerdings in der Regel einen besseren Überblick über die Argumente, die in einer philosophischen Debatte über einen bestimmten Diskussionsgegenstand bereits vorgebracht wurden. So kann es etwa hilfreich sein, bei einem aktuell diskutierten Problem (z.B. Euthanasie) danach zu fragen, welche Antwortmöglichkeiten die Philosophie bisher dazu angeboten hat und welche Auseinandersetzungen es um diese Vorschläge bereits gab.

Formen des Philosophierens

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Arten des Philosophierens unterscheiden: die Philosophie als Streben nach Wissen, die Philosophie als Lebensweise und die akademische Philosophie.

Philosophie als Weltweisheit

Euthanasie Philosophie als Weltweisheit