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Dreißigjähriger Krieg

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war zugleich ein Religionskrieg und ein klassischer Staatenkonflikt um Hegemonie oder Gleichgewicht zwischen den Mächten Europas. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb Deutschlands als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. So trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus. Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche des Reiches. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wurden völlig umgestürzt. Deutschland brauchte mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen. Seuche

Vorgeschichte und Ursachen

Konfessionelle Gegensätze

Nach der ersten Phase der Reformation, die Deutschland konfessionell gespalten hatte, versuchten die katholischen und protestantischen Landesherren zunächst, eine für beide Seiten akzeptable Verfassungsordnung und ein Mächtegleichgewicht zwischen den Konfessionen im Reich zu finden. Im Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 einigten sie sich schließlich auf den Grundsatz cuius regio, eius religio (Wer die Herrschaft hat, bestimmt die Glaubensrichtung seiner Untertanen). Seither waren das katholische und das lutherische Glaubensbekenntnis als gleichberechtigt anerkannt, nicht jedoch das reformierte. Mit der weiteren Ausbreitung der Reformation gegen Ende des 16. Jahrhunderts und dem gleichzeitigen Wiedererstarken des Katholizismus in der Gegenreformation schwand jedoch zunehmend die Bereitschaft zum Kompromiss. Eine neue Generation von Fürsten – sowohl auf katholischer als auch auf evangelischer Seite – strebte danach, mit Gewalt die eigene Position auf Kosten der Gegenseite auszubauen oder verlorengegangenes Terrain zurückzugewinnen. Dazu kam das Bestreben der Calvinisten nach reichsrechtlicher Gleichstellung ihrer Konfession. Verschärft wurde die Lage in Deutschland zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch eine Wirtschaftskrise sowie durch dynastische Konflikte, die weit über den konfessionellen Gegensatz hinausgingen.

Dynastische Gegensätze

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts versuchte Frankreich sich aus der Umklammerung durch die Habsburgischen Territorien – Spanien, die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund – zu lösen. Der habsburgisch-französische Konflikt um die Vorherrschaft überlagerte bis zum 18. Jahrhundert alle anderen Auseinandersetzungen in Europa, so auch den Dreißigjährigen Krieg. Beide Seiten suchten sich dabei ihre Verbündeten auch jenseits konfessioneller Grenzen. So unterstützte das katholische Frankreich die protestantischen Niederlande, die seit 1568 einen Unabhängigkeitskrieg – den so genannten Achtzigjährigen Krieg - gegen die spanische Linie der Habsburger führten, deren Oberhaupt die römisch-deutsche Kaiserkrone trug. Nach fast 40 Jahren Krieg schlossen Spanien und die Niederlande 1609 einen Waffenstillstand, der aber auf 12 Jahre befristet war.

Verschärfung der Konfliktlage

Während der erneute Ausbruch des Kampfes um die Niederlande absehbar war, verschärften sich die konfessionellen Gegensätze im Reich: Im Jahr 1608 untersagte der protestantische Rat der Stadt Donauwörth den Katholiken die Ausübung ihres Glaubens. Daraufhin wurde über die Stadt die Reichsacht verhängt. Herzog Maximilian I. von Bayern führte Donauwörth gewaltsam zum katholischen Glauben zurück. Als Reaktion darauf schlossen sich die meisten protestantischen Reichsstände zur Protestantischen Union zusammen, um den Bestrebungen zur Rekatholisierung evangelischer Gebiete entgegenzutreten. Führer der Union war der calvinistische Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz. Im Gegenzug schlossen sich 1609 die katholischen Reichsstände unter der Führung Maximilians I. von Bayern – einem Wittelsbacher wie Friedrich V. – zur Katholischen Liga zusammen. Katholischen Liga Konfessionelle und dynastische Spannungen hatten mittlerweile in ganz Europa ein enormes Konfliktpotenzial angehäuft. Diese Spannungen hätten sich beinahe bereits 1610 im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit entladen und zum Ausbruch eines großen, gesamteuropäischen Krieges geführt. Verhindert wurde dies nur durch die Ermordung des französischen Königs Heinrich IV., der die treibende Kraft hinter dem anti-habsburgischen Bündnis gewesen war.

Der Ausbruch des Krieges

Der Auslöser, der zum Ausbruch des großen Krieges führte, war schließlich der Aufstand der mehrheitlich protestantischen böhmischen Stände im Jahr 1618. Im Streit um die Nutzung einer Kirche in dem böhmischen Dorf Braunau hatte der streng katholische, gegenreformatorisch gesinnte österreichische Erzherzog und König von Böhmen Ferdinand II., der 1619 zum Kaiser gewählt werden sollte, den Majestätsbrief widerrufen, der den Protestanten in Böhmen Religionsfreiheit zugesichert hatte. Die Aufständischen schritten im Mai 1618 zu einer in Böhmen traditionellen Form des Protests und warfen die kaiserlichen Räte Martinitz und Slavata sowie einen Sekretär aus einem Fenster der Prager Burg. Zufällig überlebten die kaiserlichen Räte den Fenstersturz, weil sie wahrscheinlich auf einen Misthaufen gefallen waren. Die Errettung wurde nachher von katholischer Seite als göttliche Fügung angesehen. Dieser 2. Prager Fenstersturz gilt bis heute als Auslöser des Krieges. Die böhmischen Stände beriefen sich nun auf ihr angestammtes Recht, ihren König selbst zu wählen und erklärten 1619 Ferdinand für abgesetzt. Statt seiner wählten sie den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, das Oberhaupt der Protestantischen Union im Reich. Beeinflusst von seinem Minister, Christian I. von Anhalt-Bernburg, akzeptierte Friedrich die Wahl, erhielt von den protestantischen Reichsständen nach der Unterzeichnung des Ulmer Vertrags jedoch nicht die erhoffte militärische Unterstützung. Dennoch zog Friedrich in Prag ein. Er hoffte auch auf Unterstützung aus dem international recht agilen Kalvinismus, wie etwa in den Freien Niederlanden und auf seine engen verwandtschaftlichen Beziehungen zur englischen Krone. Er sollte dort aber nicht länger als ein Jahr regieren und als "Winterkönig" in die Geschichte eingehen. Der Aufstand der böhmischen Stände bedeutete eine grundsätzliche Infragestellung der kaiserlichen Vorherrschaft, die Ferdinand II. nicht akzeptieren konnte, ohne das gesamte Machtgefüge des Reiches zu gefährden. Da ihm aber selbst die Mittel für einen Krieg mit Friedrich V. und den böhmischen Ständen fehlten, schloss er mit Maximilian I. von Bayern den Vertrag von München. Danach sollte der Herzog den böhmischen Aufstand mit einer Armee der Katholischen Liga niederschlagen. Im Gegenzug sollte der bayerische Wittelsbacher die Kurwürde seines pfälzischen Vetters Friedrich erhalten und die Oberpfalz für Bayern annektieren dürfen. annektieren Mit der Entsendung der Liga-Truppen unter der Führung des bayerischen Feldherrn Johann Tserclaes Tilly nach Böhmen trat der Konflikt endgültig in die kriegerische Phase ein. Alle Beteiligten waren entscheidende Schritte zu weit gegangen: Ferdinand II., der seine katholische Überzeugung über Frieden und Kompromiss in seinem Herrschaftsbereich stellte; Friedrich V., der eine Krone akzeptierte, die traditionell den Habsburgern zustand, wohl wissend, dass Ferdinand II. schon aus Gründen der Reputation nicht kampflos auf sie verzichten konnte; und schließlich Maximilian I., der die Unterstützung des Kaisers von Forderungen abhängig machte, die das Mächtegleichgewicht im Reich so stark zugunsten des Katholizismus verschieben mussten, dass die protestantischen Fürsten dies nicht würden hinnehmen können.

Der Verlauf

Obwohl zunächst religiös begründet, wurde im Verlauf des Krieges schon bald offenbar, dass er aus rein machtpolitischen Gesichtspunkten geführt wurde. Im Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation bekriegten sich zwei Machtblöcke, die beide von katholischen Mächten geführt wurden: die spanischen und österreichischen Habsburger einerseits und Frankreich andererseits. Insgesamt lassen sich in den 30 Jahren von 1618 bis 1648 vier aufeinanderfolgende Konflikte unterscheiden.

Böhmisch-pfälzischer Krieg (1618–1623)

Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Anfänglich erschien es so, als würden die böhmischen Stände mit ihrem Aufstand erfolgreich sein. Das böhmische Heer unter Heinrich Matthias von Thurn drang in die österreichischen Stammlande der Habsburger ein und stand am 6. Juni 1619 vor Wien. Besonders der mit den Böhmen verbündete Fürst von Siebenbürgen, Bethlen Gábor, machte Kaiser Ferdinand II. schwer zu schaffen. Erst als der Kaiser im Münchner Vertrag (8. Oktober 1619), die Unterstützung von Maximilian I. von Bayern versprochen bekam, der protestantische Kurfürst von Sachsen, Johann Georg I. an die Seite des Kaisers trat und die in der Union zusammengeschlossenen protestantischen Reichsstände Friedrich V. von der Pfalz nicht adäquat zu Hilfe kamen (Ulmer Vertrag), wendete sich das Kriegsblatt. In der Schlacht am Weißen Berg wurde das Heer der böhmischen Stände unter Christian I., Fürst von Anhalt-Bernburg von den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Tilly und Karl Bonaventura Graf von Buquoy schwer geschlagen. Nach der Schlacht floh Friedrich aus Böhmen, über ihn wurde die Reichsacht verhängt. Ein Großteil der aufständischen böhmischen Adeligen wurde am 21. Juni 1621 hingerichtet. Schon vorher hatte sich die Protestantische Union aufgelöst. 1621 Die noch verbliebenen protestantischen Heerführer Christian von Halberstadt und Ernst von Mansfeld setzten den Krieg außerhalb Böhmens fort. In den pfälzischen Erblanden des "Winterkönigs" konnten sie zunächst bei Wiesloch und Wimpfen größere Erfolge feiern, mussten jedoch bei Höchst gegen die Kaiserlichen und bei Fleurus gegen die Spanier schwere Niederlagen erleiden. Die Pfalz konnte nicht gehalten werden und Friedrich V. verlor am 23. Februar 1623 die Kurwürde, die auf Maximilian von Bayern übertragen wurde. Christian von Halberstadt erlitt bei Stadtlohn erneut eine verheerende Niederlage und seine dezimierten Truppen waren fortan für die Kaiserlichen kein ernstzunehmender Gegner mehr.

Dänisch-niedersächsischer Krieg (1623–1629)

Nachdem die protestantischen Heere im Reich eine Niederlage nach der anderen erlitten hatten, griff nun Christian IV. von Dänemark zu den Waffen. Der dänische König plante mit seinem Verbündeten Ernst von Mansfeld einen Feldzug, der sich zunächst gegen Thüringen und dann gegen Süddeutschland richten sollte. Christian konnte diesen Plan jedoch nicht umsetzen, da er am 27. August 1626 bei Lutter am Barenberge eine vernichtende Niederlage gegen Tilly einstecken musste. Nach der Schlacht verloren die Dänen die Unterstützung sämtlicher protestantischer Fürsten in Norddeutschland. Bereits am 25. April 1626 hatte Christians Verbündeter Ernst von Mansfeld an der Dessauer Elbbrücke eine entscheidende Niederlage gegen den kaiserlichen Feldherren Wallenstein erlitten. Mansfelds militärische Karriere war nach der Schlacht beendet. Die protestantische Sache im Reich schien verloren und Ferdinand II. erließ das Restitutionsedikt (1629), das den Höhepunkt der kaiserlichen Macht im Reich markierte.

Schwedischer Krieg (1630–1635)

1629 Nachdem mit Dänemark eine Ostseemacht aus dem Dreißigjährigen Krieg ausgeschieden war, sah Gustav Adolf von Schweden die Chance gekommen seine hegemonialen Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen. Er landete mit seiner Armee am 4. Juli 1630 auf Usedom und zwang Pommern, Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen zu einem Bündnisvertrag. Am 17. September 1631 trafen die Schweden bei Breitenfeld auf die kaiserlichen Truppen unter Tilly, der noch kurz zuvor die Stadt Magdeburg dem Erdboden gleich gemacht hatte. Tilly wurde vernichtend geschlagen und konnte auch im folgenden Jahr den Vormarsch der Schweden in Süddeutschland nicht aufhalten. In der Schlacht bei Rain am Lech wurde er verwundet und zog sich nach Ingolstadt zurück, wo er am 30. April an den Folgen der Verwundung starb. Die Schweden versuchten die Stadt einzunehmen, was ihnen jedoch nicht gelang. Diesen Zeitvorsprung nutzte Kurfürst Maximilian um von Ingolstadt nach Regensburg zu ziehen und es zu besetzen. Die Schweden drangen daraufhin bis München vor und bedrohten Österreich. Österreich In dieser für den Kaiser gefährlichen Situation ernannte er den 1630 auf dem Reichstag von Regensburg entlassenen Wallenstein erneut zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen (April 1632). Wallenstein gelang es tatsächlich Gustav Adolf Paroli zu bieten. Der charismatische schwedische König verlor in der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 das Leben. Die Herrschaft für die noch unmündige Christine von Schweden, Tochter Gustav Adolfs, übernahm Axel Oxenstierna. Dieser schloss mit den Protestanten des fränkischen, schwäbischen und rheinischen Reichskreises den Heilbronner Bund (1633–1634) und führte den Kampf weiter. Sein fähigster Gegner Albrecht von Wallenstein wurde am 26. Februar 1634 in Eger ermordet. Im selben Jahr konnten die kaiserlichen Armeen in der Schlacht bei Nördlingen den ersten wirklich großen Sieg über die Schweden unter dem bedeutenden Feldherrn Bernhard von Sachsen-Weimar erringen. Bernhard von Sachsen-Weimar Die protestantischen Reichstände, zuallererst Kursachsen brachen im Jahre 1635 aus dem Bündnis mit Schweden aus und schlossen mit Kaiser Ferdinand II. den Prager Frieden, der die Aussetzung des Restitutionsedikt von 1629 beinhaltete. Man beschloss auch, nun gemeinsam gegen die Feinde des Reiches vorzugehen. Der Dreißigjährige Krieg hörte damit auf ein Krieg der Konfessionen zu sein, da sich ab 1635 die protestantischen und katholischen Stände des Reiches sowie das protestantische Schweden und das katholische Frankreich gegenüberstanden.

Schwedisch-Französischer Krieg (1635–1648)

Obwohl Frankreich fast zur Gänze von habsburgischen Territorien umgeben war und ein Hauptinteresse an der Schwächung der spanischen und kaiserlichen Macht hatte, wurde es bis 1635 nicht selbst militärisch aktiv. Erst als der Kaiser militärische Siege gegen Schweden errang und dadurch die Gefahr bestand, dass er seine Macht auf ganz Deutschland ausdehnen könnte, trat Frankreich offen in den Krieg ein. Schon vorher hatte die französische Krone Schweden und die protestantischen Fürsten, im Vertrag von Bärwalde 1631, finanziell unterstützt. Vertrag von Bärwalde Zudem suchte Kardinal Richelieu, der als Erster Minister König Ludwigs XIII. die Politik des Landes maßgeblich bestimmte, durch diplomatische Aktivitäten einzelne Fürsten im Westen des Reichs an sich zu binden. Dies gelang beispielsweise in dem Schutzvertrag mit dem Kurfürsten von Trier Philipp Christoph von Sötern, der den Franzosen kampflos die Festungen Philippsburg und Ehrenbreitstein einbrachte. In den folgenden Jahren drangen Französische Armeen unter den Generälen Turenne und Condé bis nach Bayern und Böhmen vor. Mit dem Eingreifen Frankreichs stand fest, dass der habsburgische Kaiser seinen absoluten Machtanspruch gegenüber den Reichsständen nicht würde durchsetzen können.

Der Westfälische Friede und die Kriegsfolgen

Es dauerte knapp 30 Jahre, bis alle Beteiligten eingesehen hatten, dass "mit Krieg keine Seelen zu gewinnen sind" und keine Partei einen dauerhaften Sieg würde erringen können. Als die Truppen ausgeblutet waren, Erfolge ausblieben und die Sinnlosigkeit weiterer Kämpfe offenbar wurde, war man 1648 endlich bereit, Frieden zu schließen (letzte Schlacht in Nederling). Zur Aushandlung des Friedensvertrages wählte man die Städte Münster, traditionell eine Hochburg der Katholiken, und Osnabrück, das dem protestantischen Lager zugehörte. Der kaiserliche Gesandte, Graf (später Fürst) Johann Ludwig von Nassau Hadamar führte die Friedensverhandlungen zum erfolgreichen Abschluss. Im Westfälischen Frieden wurden neben der katholischen und der lutherischen nun auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt. Vier konfessionell gemischten Städten wurde Parität verordnet. Die neue Großmacht Schweden erwarb 1648 Vorpommern und das Herzogtum Bremen mit Verden. Spanien verlor nicht nur die Niederlande endgültig, sondern auch seine Stellung als Großmacht. Österreich verlor kaiserlichen Einfluss an die Fürsten, und auch die angestrebte religiöse Einheit wurde nicht erreicht. Frankreich hingegen wurde zum mächtigsten Land Europas. Die Folgen für das Heilige Römische Reich waren gewaltig. Die Niederlande fielen vom Reich ab und wurden international – sogar von Spanien – anerkannt. Die Landesfürsten erlangten fast völlige Souveranität. Der Titel des Kaisers war nun kaum noch mehr als ein Ehrentitel, auch wenn die Habsburger ihn noch bis 1806 führten. Wenig beachtet aber nicht minder bedeutsam war, dass Deutschland mit der Unabhängigkeit der Niederlande und dem Verlust wichtiger Küstenregionen und Ostseehäfen an Schweden fast völlig von der Hohen See abgeschnitten war. Es war weitgehend vom Erwerb von Kolonien ausgeschlossen und damit vom Seehandel, der andere Nationen wie England, Schweden, Spanien und die Niederlande nach dem Dreißigjährigen Krieg einflussreich und wohlhabend machen sollte. Mit dem überseeischen Handel ging in diesen Ländern ein Aufschwung des liberalen Bürgertums einher, dessen Ausbleiben für Deutschland kaum ermessliche geschichtliche und gesellschaftliche Folgen ergeben hat. Der Krieg endete ohne wirklichen Sieger. Sein Ende bedeutete jedoch auch die Abkehr von Glaubenskriegen in Europa. Deutschland war verwüstet, verarmt und über ganze Landstriche entvölkert: Weit mehr als bei allen früheren (und vielen späteren) Kriegen war praktisch die gesamte deutsche Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen worden. Heutigen Erkenntnissen zufolge waren die Verluste an Menschenleben geringer als in früheren Schätzungen angenommen wurde, die bei 25 bis 33 Prozent lagen, aber dennoch erheblich. Von etwa 20 Millionen Bewohnern des Reiches fanden schätzungsweise drei bis vier Millionen den Tod, ein Bevölkerungsanteil von 15 bis 20 Prozent. Während sich Frankreich und England bereits zu Nationalstaaten entwickelt hatten, bildete Deutschland einen lockeren Verbund von Fürstentümern, der sich aber in den nächsten 150 Jahren als wesentlicher Friedensfaktor in Europa erweisen sollte. Bis zur Französischen Revolution war das Reich noch stark genug, um Angriffe von Außen abzuwehren, aber zu schwach, um selbst angreifen zu können. Andererseits wirkte sich das Fehlen einer starken Zentralmacht und einer Hauptstadt von der Größe Londons oder Paris' negativ auf die Herausbildung eines selbstbewussten Bürgertums aus.

Der Krieg in der kollektiven Erinnerung

Der Dreißigjährige Krieg entvölkerte ganze Landstriche und hat natürlich vielfältige Spuren in Kunst und Alltagsleben hinterlassen – von einfachen Kinderreimen wie Bet’, Kindchen, bet’, morgen kommt der Schwed’ bis zu großen Werken der Dichtkunst. In seinem Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus, erschienen 1669, schilderte Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (16251676) die Wirren und Gräuel des Krieges und schuf damit den ersten bedeutenden Roman der deutschen Literatur. Einen Augenzeugenbericht hat uns der Söldner Peter Hagendorf in seiner Chronik hinterlassen. Das Erlebnis von nicht enden wollendem Krieg, Hunger, Krankheiten und allgemeiner Zerstörung ließ eine Lyrik von bis dahin nicht gekannter Eindringlichkeit entstehen, in der sich die Gewissheit von Tod und Vergänglichkeit mit barocker Lebensgier verband. So schrieb Andreas Gryphius das Sonett „Tränen des Vaterlandes Anno 1636“, das bis heute zu den meist zitierten Antikriegsgedichten zählt. Es beginnt mit den Versen: :Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun,
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.
Im 18. Jahrhundert beschäftigte sich Friedrich Schiller als Historiker und Dramatiker mit dem Krieg. 1792 veröffentlichte er eine in weiten Teilen noch heute gültige „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“. Sieben Jahre später vollendete er sein dreiteiliges Drama „Wallenstein“. Mit wachsendem zeitlichen Abstand sahen Schriftsteller in dem großen Konflikt des 17. Jahrhunderts zunehmend eine Metapher für die Schrecken des Krieges überhaupt. Das bekannteste Beispiel dafür aus dem 20. Jahrhundert ist Bertolt Brechts Stück "Mutter Courage und ihre Kinder", das im Dreißigjährigen Krieg angesiedelt ist, aber deutlich macht, dass die Verrohung und Zerstörung des Menschen durch die Gewalt überall und zu jeder Zeit möglich ist.

Literatur


- Alfred Döblin: Wallenstein, bei DTV, Juni 2003, Erstausgabe 1920, expressionistischer Roman
- Ricarda Huch: Der Dreißigjährige Krieg (Erstausgabe hieß: Der große Krieg in Deutschland), Erstausgabe 1912–1914 in 3 Bänden, historischer Roman
- Klaus Bußmann und Heinz Schilling (Hg.): 1648 – Krieg und Frieden in Europa, Katalogband und zwei Textbände, Münster 1998 [Dokumentation der Europaratsausstellung zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens in Münster und Osnabrück. Standardwerk zu den europäischen Verflechtungen im Krieg]
- Bernhard Kroener und Ralf Proeve (Hg.): Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1996
- Burkhardt, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt a. M. 1992 [ein Standardwerk zur modernen Interpretation des Krieges und seiner Ursachen]
- Fritz Dickmann: Der Westfälische Friede, Münster 1965 [Standardwerk zu den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück]
- Heinz Duchhardt (Hg.): Der Westfälische Friede. Diplomatie, politische Zäsur, kulturelles Umfeld, Rezeptionsgeschichte, München 1998
- Findeisen, Jörg-Peter: Der Dreißigjährige Krieg. Eine Epoche in Lebensbildern, Graz/Wien/Köln 1998
- Ernst Höfer: Das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Strategie und Kriegsbild, Köln/Weimar/Wien 1997
- Cordula Kapser: Die bayerische Kriegsorganisation in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges 1635–1648/49 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 25), Münster 1997
- Benigna von Krusenstjern, Hans Medick (Hg.): Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999
- Mieck, Ilja: Wallenstein 1634. Mord oder Hinrichtung? in Demandt, Alexander (Hrsg.) Das Attentat in der Geschichte, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1999
- Golo Mann: Wallenstein, Frankfurt am Main 1971 [Erzählende Biographie des kaiserlichen Feldherrn]
- Markus Meumann, Dirk Niefanger (Hg.): Ein Schauplatz herber Angst. Wahrnehmung und Darstellung von Gewalt im 17. Jahrhundert, Göttingen 1997
- Friedrich Schiller: Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München 1988 [erstmals erschienen 1792]
- Friedrich Schiller: Wallenstein, bei Reclam, Ditzingen, 2003, Erstausgabe 1800
- Gunnar Teske: Bürger, Bauern, Söldner und Gesandte. Der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Frieden in Westfalen, Münster, 1997, ardey verlag, 2te Auflage 1998, ISBN 3-87023-085-1
- Cicely Veronica Wedgwood: Der Dreißigjährige Krieg, Berlin 2002 [Erstausgabe: London 1938; noch immer eine der besten erzählenden Darstellungen des Krieges]
- Julia Zunckel: Rüstungsgeschäfte im Dreißigjährigen Krieg. Unternehmer­kräfte, Militärgüter und Marktstrategien im Handel zwischen Genua, Amsterdam und Hamburg (Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 49), Berlin 1997
- Peter Engerisser: "Von Kronach nach Nördlingen – Der Dreißigjährige Krieg in Franken, Schwaben und der Oberpfalz 1631–1635", Verlag Heinz Späthling 2004, ISBN 3-926621-32-X, knapp 700 Seiten starkes Kompendium mit mehr als 120 Kurzbiographien,
- Literaturempfehlung für Jugendliche: Tilman Röhrig: "In 300 Jahren vielleicht", Arena-Verlag, Würzburg, ISBN 3-401-01850-7, sehr spannend geschrieben, manchmal etwas grausam-realistisch, also nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.
- Hans-Christian Huf: Mit Gottes Segen in die Hölle- Der dreißigjährige Krieg, Ullstein-Verlag Berlin 2001
- Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder 1939 - Der Zerfall einer Familie im 30jährigen Krieg

Weblinks


- [http://www.fruehe-neuzeit.net/modules.php?op=modload&name=Web_Links&file=index&req=viewlink&cid=5 Virtuelle Bibliothek] Geschichte Frühe Neuzeit – Konfessionelles Zeitalter und Dreißigjähriger Krieg (1500–1648)
- [http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/ Einführung in die Frühe Neuzeit, Uni Münster]
- [http://www.uni-potsdam.de/u/geschichte/mdk/index.htm Museum des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/m30jk.htm München im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/30jkpersonen.htm Dramatis Personae – Akteure des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.muenster.de/friede/d/04_akteure/04_set.htm Die Akteure des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.westfaelischer-frieden.de Projekt zum Thema "Dreißigjähriger Krieg" und "Westfälischer Friede"]
- [http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=que&ID=741 Münsterscher Friedensvertrag in Volltext, dt. (Instrumentum Pacis Monasteriensis, IPM)]
- [http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=que&ID=740 Osnabrücker Friedensvertrag in Volltext, dt. (Instrumentum Pacis Osnabrugensis, IPO)][http://dmoz.org/World/Deutsch/Gesellschaft/Geschichte/Nach_Zeitabschnitten/Neuzeit/17._Jahrhundert/Kriege/Drei%c3%9figj%c3%a4hriger_Krieg/ Open Directory: Dreißigjähriger Krieg]
- [http://www.cac1632.de.vu/ Der dreißigjährige Krieg – lebendige Geschichte in Kronach]
- [http://www.engerisser.de/ Bewaffnung und Ausrüstung der Armeen im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.historisches-chemnitz.de/ereignisse/30jaehrigerkrieg/30jaehrigerkrieg.html Chemnitz im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=28 Karte: Lebensweg eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]

Siehe auch


- Zeittafel zum Dreißigjährigen Krieg
- Liste von Kriegen
- Liste von Schlachten ! Dreißigjähriger Krieg ja:三十年戦争

1618

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 23. Mai: Prager Fenstersturz, Beginn des Dreißigjährigen Kriegs

Geboren


- 1. Januar: Bartolomé Esteban Murillo, spanischer Maler († 1682)
- 2. April: Francesco Maria Grimaldi, italienischer Physiker und Mathematiker († 1663)
- 4. April: Ferrante III. Gonzaga, Herzog von Guastalla († 1678)
- 18. April: Roger de Bussy-Rabutin, französischer General und Schriftsteller († 1693)
- 14. September: Peter Lely, britischer Maler († 1680)
- 15. Oktober: Marc Antonio Cesti, italienischer Komponist und Kapellmeister († 1889)
- 26. Dezember: Elisabeth von Herford, Pfalzgräfin, Äbtissin († 1680)

Gestorben


- 24. Mai: Johann Georg I. von Anhalt-Dessau, Herrscher (
- 1567)
- 27. August: Albrecht Friedrich von Preußen, regierender Fürst des Herzogtums Preußen (
- 1553)
- 29. Oktober: Sir Walter Raleigh, englischer Abenteuerer und Schriftsteller (
- 1554)
- 2. November: Maximilian III. (Habsburg), 1585 war Hochmeister des Deutschen Ordens und Administrator Preußens (
- 1558)
- 10. Dezember: Giulio Caccini, italienischer Komponist (
- 1545)
- 15. Dezember: Anna von Tirol, Frau von Kaiser Matthias und Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs (
- 1585) ko:1618년

Gleichgewicht

Der Ausdruck Gleichgewicht (nach dem Französischen auch Balance) bezeichnet den ausgeglichenen Zustand eines Körpers oder eines Systems ohne Schwankungen, oder nur mit Schwankungen, die im Beobachtungszeitraum vernachlässigbar sind. Das Wort kommt von der Balkenwaage, deren Waagbalken bei gleichem Gewicht auf beiden Seiten horizontal steht. Einige Fachbereiche benützen spezielle Definitionen des Begriffs Gleichgewicht:
- Gleichgewicht (Physik) - der Zustand eines (mechanischen oder thermodynamischen) Systems verändert sich nicht
- Physiologie - der Gleichgewichtssinn.
- Psychologie - ein stabiler psychischer Zustand der Ausgeglichenheit (auch seelisches Gleichgewicht genannt) mit einem ausreichenden Selbstwertgefühl.
- Chemisches Gleichgewicht - eine chemische Reaktion, die in beide Richtungen laufen kann und in beiden gleich schnell abläuft.
  - Fließgleichgewicht
- Gleichgewicht (Systemtheorie) - ein Zustand, bei dem sich eine oder mehrere Zustandsgrößen über einen bestimmten Zeitraum hinweg im Mittel nicht verändern.
- Gleichgewicht (Politik) - ein ausbalanciertes Machtverhältnis, das Stabilität bringt
  - Gleichgewicht des Schreckens.
- Marktgleichgewicht - Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage
  - Außenwirtschaftliches Gleichgewicht.
- Ökologisches Gleichgewicht (auch biozönotisches Gleichgewicht) - stationärer Zustand eines Ökosystems
  - Hardy-Weinberg-Gleichgewicht.
- Nash-Gleichgewicht der Spieltheorie - optimale Strategien für jeden Spieler, indem kein einzelner Spieler aus einer Veränderung seiner Strategie einen Nutzen ziehen kann.
- Boudouard-Gleichgewicht
- „Das Gleichgewicht“ - ein Theaterstück von Botho Strauß.

Siehe auch


- Kompensationspunkt
- Stabiles Gleichgewicht
- Waage
- Gleichgewichtsfigur
- Nichtgleichgewichtssystem
- Selbstregulation Kategorie:Physik

Europa

Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten. Ural

Geographie

Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet. Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien. Sizilien Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean. Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres. Siehe auch: Mittelpunkt Europas

Innereurasische Grenze

Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden unter anderem die Grenze zwischen Europa und Asien. Siehe auch: Innereurasische Grenze

Untergliederung


- Nordeuropa
  - Nordwesteuropa
  - Nordosteuropa
- Mitteleuropa
  - Ostmitteleuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
  - Südosteuropa
- Westeuropa

Flüsse

Westeuropa Die längsten Flüsse Europas (über 1.000 km) sind: #Wolga (3.531 km) #Donau (2.850 km) #Ural (2.428 km) (an der "innereurasischen" Grenze) #Dnjepr (2.200 km) #Don (1.870 km) #Petschora (1.809 km) #Kama (1.805 km) #Oka (1.500 km) #Belaja (1.430 km) #Dnjestr (1.352 km) #Rhein (1.320 km) #Wjatka (1.314 km) #Elbe (1.165 km) #Desna (1.130 km) #Weichsel (1.047 km) #Düna (1.020 km) #Loire (1.020 km) #Choper (1.010 km) #Tajo (1.007 km) Siehe auch: Liste europäischer Flüsse, Die längsten Flüsse der Erde

Berge

Die höchsten Berge in Europa sind: #Elbrus (5.642 m), Russland, Kaukasus (umstritten, weil innereurasische Grenze unterschiedlich festgelegt ist) #Dykh Tau (5.203 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Rustaveli (5.201 m), Georgien, Kaukasus (umstritten) #Koshtan Tau (5.150 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Pushkin (5.100 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Shkhara (5.068 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten) #Kazbek (5.047 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten) #Mizhirgi (5.025 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Katyn (4.974 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Shota Rustaveli (4.960 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Borovikovs topp (4.888 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Mont Blanc (4.808 m; mit Eiskappe), Grenze Frankreich-Italien, Alpen #Dufourspitze (4.634 m; Monte-Rosa-Massiv), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Dom (4.545 m), Schweiz, Alpen #Weisshorn (4.505 m), Schweiz, Alpen #Lyskamm (4.480 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Matterhorn (4.478 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Dent Blanche (4.357 m), Schweiz, Alpen #Finsteraarhorn (4.274 m), Schweiz, Alpen #Zinalrothorn (4.221 m), Schweiz, Alpen #Alphubel (4.206 m), Schweiz, Alpen #Rimpfischhorn (4.199 m), Schweiz, Alpen #Aletschhorn (4.192 m), Schweiz, Alpen #Dent d'Hérens (4.171 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Breithorn (4.164 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Jungfrau (4.158 m), Schweiz, Alpen #Mönch (4.107 m), Schweiz, Alpen #Ecrins (4.101 m), Frankreich, Alpen #Schreckhorn (4.078 m), Schweiz, Alpen #Gran Paradiso (4.061 m), Italien, Alpen #Großes Fiescherhorn (4.049 m), Schweiz, Alpen #Piz Bernina (4.049 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Weissmies (4.023 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Ortler (3.905), Italien, Alpen Die bekanntesten Vulkane in Europa sind:
- Ätna (italien. Etna) (veränderlich um 3.370-3.400 m), Sizilien, Italien
- Hvannadalshnjúkur (2.119 m, unter dem Vatnajökull), höchster Berg auf Island
- Grímsvötn (1.725 m; unter dem Vatnajökull), Island
- Herðubreið (1.682 m, unter dem Vatnajökull), Island
- Vesuv(io) (ca. 1.200 m), Italien
- Stromboli (ca. 926 m), vulkanische Insel, Italien
- Santorini (Σαντορίνη) (575 m), vulkanische Insel, Griechenland

Klima

Der Kontinent liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Neapel beträgt beispielsweise 16 °C, während das auf nahezu gleicher Breite liegende New York 12 °C erreicht. Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Jahres sind in den größten Teilen des Erdteils relativ gering. Kühlen Winter stehen milde Sommer gegenüber. Nur in Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stärker. In größten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer Nähe vorwiegend kontinental geprägt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend. Durch die Erdrotation und der damit verbundenen ablenkenden Kraft kommen Winde hauptsächlich aus westlicher Richtung. Da in den Küstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjährig zu Regen. In Ost-und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfällt. Hochgebirge können die Niederschlagsmenge ebenfalls stark beeinflussen. So ist der mittlere Jahresniederschlag nördlich der Alpen deutlich geringer als südlich. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere, durch den es nur wenige Regenfronten schaffen durchzudringen. In Gebieten nahe des Mittelmeers herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit. Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag.

Bevölkerung

Europa hat mit ca. 730 Millionen Einwohnern nach Asien und Afrika die drittgrößte Bevölkerungszahl aller Kontinente und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 66/km². Vor allem in West-, Mittel- und Südeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt.

Sprachen

Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen. Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen, sowie das Romani zählen zu den indogermanischen Sprachen. Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrößte Sprachfamilie Europas dar. Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend im Menschen im äußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen. Hierzu zählen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland. Im europäischen Teil der Türkei ist mit Türkisch eine altaische Sprache Amts- und Titularsprache. Andere Turksprachen sind als Minderheitensprachen in Ost- und Südosteuropa verbreitet, so etwa das Gagausische und das Tatarische. Mit Kalmückisch wird am Ostrand des Kontinents auch eine Sprache des mongolischen Zweigs der Altaisprachen in Europa gesprochen. Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen Amtssprache. Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner größeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt. Darüber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jüngerer Zeit hierher gelangt sind. Am gebräuchlichsten in Europa ist das lateinische Alphabet, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Mazedonien und Teilen Montenegros) und dem griechischen Alphabet. Siehe auch: Liste von Sprachen in Europa, Minderheitensprachen in der Europäischen Union, Amtssprachen der Europäischen Union

Religionen

Ca. 75% der Europäer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox). 7 % sind Muslime (vor allem in Südosteuropa sowie Einwanderer aus islamischen Ländern in England, Frankreich, Deutschland, Italien), außerdem gibt es Juden sowie eine größere Zahl von in jüngerer Zeit aus anderen Teilen der Welt nach Europa gekommener oder neu entstandenener Religionen. Ca. 18 % der Europäer sind konfessionslos, besonders in den Städten und den ehemals kommunistischen Ländern im Osten, zum Teil aber auch in Deutschland. Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel, wurde aber im Zuge der "Reconquista" vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrängt. Europäer verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile Südostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend säkularisiert.

Städte und Metropolen

Ozeanien Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Welt, da sie in Zeiten des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier Städte der heutigen Europäischen Union unter den zwanzig größten der Welt, seitdem wachsen die europäischen Städte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier größten EU-Städte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio, Mailand und Neapel belegten noch Platz 13 bzw. 19. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts holten die Städte der restlichen Welt, besonders die der Entwicklungsländer, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder São Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und führen jetzt die Tabelle der Welt an. Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist die in Deutschland übliche Abgrenzung anhand der Gemeindegrenzen, da andere Staaten dies in ihren Statistiken nicht tun (z.B. USA, Frankreich, Australien, Großbritannien). Daher fehlen in der unteren Auflistung der Metropolen polyzentrische Stadtregionen wie Rhein-Ruhr und Rhein-Main in Deutschland oder das oberschlesische Industriegebiet in Polen. Die europäischen Hauptstädte finden sich in der Liste der Hauptstädte der Welt. Entfernungen verschiedener europäischer Städte (Alle Messungen sind in Luftlinie angegeben):
- Amsterdam (NL) – Warschau (PL), ca. 1.100 km
- Helsinki (FIN) – Rom (I), ca. 2.200 km
- Belgrad (SCG) – Dublin (IRL), ca. 2.150 km
- Edinburgh (GB) – Hamburg (D), ca. 900 km
- Istanbul (TR) – Lissabon (P), ca. 3.200 km
- Sagres (P) – Ust Kara (RUS), ca. 5.580 km
- Wien (A) – Bratislava (SK), ca. 60 km

Kultur und Bildung

In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit beträgt vier bis fünf Jahre in den meisten, sieben oder acht Jahre in den wenigsten Ländern. Danach folgt meist eine weiterführende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen Ländern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen Ländern gibt es außerdem sehr renommierte Hochschulen und Universitäten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten. Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele Städte, wie beispielsweise Paris, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele Städte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Europas Für den Menschen war Europa erst die dritte Wahl. Vor etwa 800.000 Jahren soll die Besiedlung durch den Homo antecessor begonnen haben, etwa eine halbe Million Jahre, nachdem Ostasien von Afrika aus besiedelt worden war. Während die Entwicklung des Homo sapiens in Afrika ablief, war Europa die Domäne von Homo heidelbergensis und Homo neanderthalensis. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der widrigen Bedingungen durch die Eiszeit sollen diese Menschen vor etwa 100.000 Jahren angefangen haben, die Kultur der Altsteinzeit zu verfeinern. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten. Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen ihre Spuren bis heute. In der späteren Antike vereinigte das Römische Reich erstmals das gesamte südliche Europa zusammen mit den anderen Küstenländern des Mittelmeeres in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin I. Staatsreligion und wirkt bis heute fort. Das Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen und dem alten römischen Kaiser in Byzanz, auf deren beiden Einflussspären die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurückgeht. Missionare verbreiteten das Christentum über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa christlich wurde. Im westlichen Europa gab es Auseinandersetzungen zwischen von Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die Kirche in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg weite Teile Mitteleuropas. Seit dem 15. Jahrhundert bauten europäische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen Besitztümern in Afrika, Amerika und Asien. Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur). Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der Aufklärung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit. 1789 kam durch die Französische Revolution zum ersten Mal das Bürgertum an die Macht. Im frühen 19. Jahrhundert musste sich halb Europa nach dem Willen des französischen Kaisers Napoleon richten, bis er 1812 in Russland ein Fiasko erlebte. Die Industrialisierung begann in Teilen Europas im 18. Jahrhundert und veränderte rasant den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Als Folge der Verarmung der Arbeiter entstand im 19. Jahrhundert die Kommunistische Bewegung. Daneben war das 19. Jahrhundert stark bestimmt vom Gedanken der Demokratie, vom Reaktionismus und vom Imperialismus. Sowohl der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) als auch der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) brachen in Europa aus und richteten riesige Zerstörungen an. Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg war Europa in zwei große politisch-ökonomische Blöcke geteilt: pseudo-sozialistische Nationen in Osteuropa und kapitalistische Nationen in Westeuropa. Man sprach auch vom Eisernen Vorhang, der die Staaten Europas voneinander trennte. Erst Perestroika und Glasnost führten in der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre zu einem politischen Kurswechsel. 1989 brach der Ostblock auf, die Berliner Mauer fiel, und die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich auf. Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wachsen die Kulturen Europas verstärkt zusammen, was sich zum einen durch Institutionen wie die EU, aber auch durch die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkte zeigt (siehe auch Blaue Banane). Siehe auch: Wiege Europas, Alteuropa

Politik

Europäische politische Organisationen

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde als erste gemeinsame europäische Institution der Europarat gegründet, der nach Ende des Ost-West-Konfliktes 47 Staaten umfasst. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1975 als Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbei in Europa (KSZE) damals blockübergreifend gegründet wurde, und der neben europäischen Ländern auch die USA und Kanada angehören. Wer im politischen Sinne von "Europa" spricht, meint aber meist die Europäische Union (EU) oder ihre Vorläufer: 1951 schlossen sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Italien und Frankreich zur Montanunion bzw. EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) zusammen. Der Versuch, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sowie eine Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) zu gründen, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Daraufhin wurden 1957 mit den Römischen Verträgen die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) sowie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet. Der Sammelbegriff Europäische Gemeinschaften (für EGKS, Euratom und EWG) wurde im alltäglichen Sprachgebrauch mehr und mehr durch den Singular Europäische Gemeinschaft verdrängt. Mit dem Maastrichter Vertrag wurde schließlich die die alten Gemeinschaften und Kooperationsformen überwölbende Europäische Union gegründet. Ein Großteil der Mitgliedsländer der ebenfalls in den 50er Jahren gegründeten EFTA (European Free Trade Association) ist mittlerweile in die EG/EU übergetreten - die verbliebene EFTA ist ihr über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eng verbunden. Nach der Erweiterung der EU um Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und Zypern im Jahre 2004 zählt diese 25 Mitglieder. Siehe auch: Europäisches Parlament, NATO, Europawahl, Politische Architektur Europas

Staaten in Europa

Politische Architektur Europas
- Albanien
- Andorra
- Belgien
- Bosnien und Herzegowina
- Bulgarien
- Dänemark (einschließlich der autonomen Färöer; das ebenfalls autonome Grönland ist geografisch Teil Nordamerikas)
- Deutschland
- Estland
- Finnland (mit den staatliche Besonderheiten aufweisenden Ålandinseln)
- Frankreich (mit Ausnahme der überseeischen Territorien in Nord- und Südamerika, Afrika, Ozeanien)
- Griechenland (einschließlich der souveränen Mönchsrepublik Athos)
- Großbritannien und Nordirland (einschließlich der direkt der Krone unterstehenden Insel Man und der Kanalinseln sowie des Überseegebietes Gibraltar)
- Irland
- Island (liegt geografisch auf dem mittelatlantischen Rücken)
- Italien
- Kroatien
- Lettland
- Liechtenstein
- Litauen
- Luxemburg
- Malta
- Mazedonien
- Moldawien
- Monaco
- Niederlande
- Norwegen
- Österreich
- Polen
- Portugal (mit Ausnahme des näher an Nordafrika liegenden Madeira und der auf dem mittelatlantischen Rücken liegenden Azoren)
- Rumänien
- Russland (ein Viertel der Landmasse in Europa, dies ist das historische Kernland Russlands mit 75 % seiner Bevölkerung)
- San Marino
- Schweden
- Schweiz
- Serbien und Montenegro (Staatenbund aus Serbien und Montenegro)
- Slowakei
- Slowenien
- Spanien (mit Ausnahme der spanischen Plazas de soberanía und der Kanarischen Inseln in Nordafrika)
- Tschechien
- Ukraine
- Ungarn
- Vatikanstadt
- Weißrussland Siehe auch: Liste europäischer Nachbarstaaten

Folgende Staaten liegen mit weniger als 5% ihrer Landfläche in Europa


- Kasachstan (nur ein sehr kleiner Teil der Landfläche liegt in Europa, der Rest in Asien; bei Sportveranstaltungen wird Kasachstan gelegentlich Europa zugerechnet)
- Türkei (nur 3% der Fläche liegt geographisch in Europa, der Rest in Asien; bei Kulturveranstaltungen wird die Türkei Europa zugeordnet (in allen internationalen Sportveranstaltungen, Eurovision Song Contest u.a.); sie ist Mitglied des Europarats und hat eine Zollunion mit der EU, ist Beitrittskandidat der EU und in allen anderen europäischen Gremien vertreten)

Weitere Staaten, die gelegentlich zu Europa gerechnet werden

Aus historischen, kulturellen oder politischen Gründen werden gelegentlich auch folgende Staaten zu Europa gerechnet:
- Armenien (geschichtlich eng mit Europa verbunden, christliche Bevölkerung mit indogermanischer Sprache, Territorium liegt geographisch in Asien, Mitglied des Europarates)
- Aserbaidschan (liegt geographisch in Asien; bei Sportveranstaltungen wird es Europa zugerechnet; Mitglied des Europarates)
- Georgien (geschichtlich eng mit Europa verbunden, christliche Bevölkerung, Territorium liegt geographisch in Asien; Mitglied des Europarates)
- Israel (liegt geographisch in Asien; bei Kulturveranstaltungen wird Israel oft Europa zugeordnet (Fußball-Europameisterschaft, Eurovision Song Contest).)
- Zypern (Insel im östlichen Mittelmeer, die geographisch zu Asien gezählt wird; geschichtlich eng mit Europa verbunden, seit Mai 2004 Mitglied der EU)

Abhängige Gebiete in Europa


- Åland (autonome Inselgruppe und Provinz vor Finnland)
- Berg Athos (autonome Mönchsrepublik unter Oberhoheit Griechenlands)
- Färöer (autonome Region innerhalb Dänemarks)
- Gibraltar (Überseeterritorium des Vereinigten Königreiches)
- Isle of Man (untersteht direkt der britischen Krone)
- Oblast Kaliningrad (Teil Russlands, Exklave zwischen Polen und Litauen)
- Kanalinseln (unterstehen direkt der britischen Krone)

Von europäischen Staaten abhängige Gebiete auf anderen Kontinenten


- Alborán, vulkanische spanische Mittelmeerinsel, unbewohnt, unter Naturschutz, zwischen Andalusien und Nordafrika
- Anguilla, eine britische Insel in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Niederländischen Antillen (De Nederlandse Antillen: Bonaire, Curaçao, Saba, Sint Eustatius (Statia), Sint Maarten) gehört zu den Niederlanden, jedoch nicht zur EU, in der Karibik (Mittelamerika)
- Aruba, intern autonomer Landesteil der Niederlande in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Azoren, portugiesische Inselgruppe zwischen Europa und Nordamerika im Atlantik
- Bermuda, britisches Überseegebiet, Inselgruppe östlich North Carolinas im Atlantik
- Britisches Antarktis-Territorium (British Antarctic Territory) ein völkerrechtlich nicht anerkannter Teil des Südpols wird von Großbritannien beansprucht: die Antarktische Halbinsel, die Südlichen Orkneyinseln, die Südlichen Shetlandinseln, einen Festlandsektor bis zum Pol (Antarktis)
- Britische Jungferninseln (the British Virgin Islands) in der Karibik (Mittelamerika)
- Das Britische Territorium im Indischen Ozean (British Indian Ocean Territory) britisches Überseegebiet, die Kronkolonie Tschagos-Archipel (Flottenstützpunkt), sechs weitgehend unbewohnte Atolle im Indischen Ozean
- Ceuta, autonom verwaltete Exklave Spaniens, Nordmarokko, 21 km vor Gibraltar (Nordafrika)
- La Islas Chafarinas, unbewohnter spanischer Archipel, 4 km vor der Küste Ostmarokkos (Nordafrika)
- Clipperton-Insel oder Passionsinsel (Île Clipperton, Île de la Passion) unbewohntes französisches Atoll südwestlich von Mexiko (Pazifik)
- Îles éparses (Les Îles éparses de l'océan Indien) unselbständige und weitgehend unbewohnte zu Frankreich gehörige Inseln und Atolle um Madagaskar und im Indischen Ozean
- Falklandinseln, britisches Überseegebiet, östlich Feuerland im südlichen Atlantik (Südamerika)
- Guadeloupe, Überseedépartement Frankreichs, Inselgruppe in der Karibik (Mittelamerika)
- Französisch-Guayana (Guyane française) Überseedépartement Frankreichs in Südamerika
- Grönland (Grønland) autonomes Gebiet Dänemarks (jedoch nicht Teil der EU) in Nordamerika
- Die Kaimaninseln (Cayman Islands) britisches Überseegebiet in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien und liegen westlich von Nord-Afrika
- Madeira, autonome Provinz Portugals, Archipel aus mehreren bewohnten und unbewohnten kleinen und der Hauptinsel Madeira ca. 600 km westlich vor Marokkos im Atlantik
- Martinique, Überseedépartement Frankreichs in der Karibik (Mittelamerika)
- Mayotte, französisches Überseeterritorium am Rande der Komoren zwischen Madagaskar und Ostafrika
- Melilla, autonom verwaltete Exklave Spaniens in Ostmarokko (Nordafrika)
- Montserrat, britisches Überseegebiet in der Karibik (Mittelamerika)
- Neukaledonien (Nouvelle-Calédonie) französische Überseegemeinschaft mit besonderem Status, Inselgruppe nahe Vanuatu vor der Nordküste Australiens
- Isla Perejil, winzige zwischen Spanien und Marokko umstrittene Felseninsel 200 m vor der Mittelmeerküste Marokkos (Nordafrika)
- Pitcairninseln (Pitcairn Islands Group) britische Kronkolonie, weit verteilt und isoliert gelegene Gruppe von vier Inseln, davon eine bewohnt, im südöstlichen Pazifik
- Französisch-Polynesien (Polynésie Française) französisches Überseedépartement (Südlicher Pazifik)
- Réunion (La Île de la Réunion) gehört zu Frankreich, liegt im Indischen Ozean östlich vor Madagaskar
- St. Helena (the Crown Colony of Saint Helena and Dependencies) britische Kronkolonie, relativ zentral zwischen Afrika (Angola) und Südamerika im Südatlantik gelegen
- Saint-Martin (Sint Maarten) karibische Insel mit einem französischen Teil (Saint-Martin) und einen niederländischen Teil (Sint Maarten) (Mittelamerika)
- St. Pierre und Miquelon, mehrere kleine unselbständige französische Inseln östlich vom kanadischen Neufundland (Nordamerika)
- Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, britisches Überseegebiet, meist unbewohnte Inselgruppe im Südatlantik
- Französische Süd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises) ein völkerrechtlich nicht anerkannter Teil des Südpols und einige Inseln und Inselgruppen im Indischen Ozean südöstlich von Afrika
- Turks- und Caicosinseln, britisches Überseegebiet, Gruppe aus acht Inseln am westlichen Rande der Karibik zum Atlantik
- Peñón de Vélez de la Gomera, spanische Halbinsel an der marokkanischen Mittelmeerküste (Nordafrika)
- Wallis und Futuna (Territoire des Iles Wallis et Futuna) französisches Überseeterritorium nordöstlich von Fidschi (Südlicher Pazifik)

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert war Europa durch die in England beginnende und auf den ganzen Kontinent übergreifende Industrielle Revolution konkurrenzlos die führende Wirtschaftskraft. Später brachten verschiedene internationale Einrichtungen und Organisationen, wie die EFTA (Europäische Freihandelszone) und die Europäische Union einen Wachstumsschub, der in vielen Teilen Europas bis in die 70er und teilweise in die 80er anhielt. Die Versorgung der Bevölkerung Europas konnte durch die Verringerung von Handelsbeschränkungen ebenfalls weiter ausgebaut werden. Seit dem 1. Januar 1999, gilt in 12 Staaten der EU der Maastricht-Vertrag, mit dem alle 12 Länder eine Währungsunion bilden und somit ihre jeweiligen Landeswährungen abschafften und den Euro, zunächst noch als bargeldloses Zahlmittel einführten. Heute ist Europa ein wohlhabender Kontinent mit großen Industriemetropolen, gewinnbringender Landwirtschaft und einem boomenden

Protestantische Union

Die Protestantische Union war ein 1608 in Auhausen (Markgrafschaft Ansbach - heute: Lkr. Donau-Ries/Bayern) ins Leben gerufener Zusammenschluss von acht
protestantischen Fürsten und 17 protestantischen Städten im Heiligen Römischen Reich. Anlass des Zusammenschlusses war die Eroberung und Annexion der freien Reichsstadt Donauwörth 1607 durch Maximilian I. von Bayern nach einer Störung einer katholischen Prozession durch Protestanten. Die Union wurde vom calvinistischen Kurfürsten der Pfalz Friedrich IV. angeführt. Als Reaktion auf die Union gründeteten katholische Fürsten und Städte 1609 die katholische Liga. Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs unterlag die Union mehrmals der Liga und wurde 1621 aufgelöst. Kategorie:Dreißigjähriger Krieg Kategorie:Militärbündnis

Habsburgisch-Französischer Gegensatz

Als Habsburgisch-französischen Gegensatz bezeichnet die Geschichtswissenschaft den von 1516 bis 1756 dauernden Konflikt zwischen dem Haus Habsburg und dem Königreich Frankreich um die Vorherrschaft in Europa. Sowohl offen als auch verdeckt ausgetragen, prägte er 240 Jahre lang die gesamte europäische Macht- und Bündnispolitik und mündete in zahlreiche Kriege, von denen der Dreißigjährige Krieg der verheerendste war.

Vorgeschichte

Dreißigjährige Krieg Die Ursprünge des Konflikts waren dynastischer Natur und entsprangen der erfolgreichen Heiratspolitik der Habsburger. Im Jahr 1477 heiratete der spätere Kaiser Maximilian I. Maria, die Tochter und einzige Erbin Herzog Karls des Kühnen von Burgund. Das französischen Königshaus Valois, dem auch die Burgunder Herzöge entstammten, machte ebenfalls Ansprüche auf das burgundische Erbe geltend, das teils auf französischem, teils auf Reichsgebiet lag. Maximilian setzte die Rechte seiner Frau jedoch weitgehend durch. Darüber hinaus verheiratete er 1496, seinen und Marias Sohn Philipp den Schönen mit der Infantin von Spanien Johanna der Wahnsinnigen. Als deren Sohn, der spätere Karl V., 1515 die Herrschaft im burgundischen Flandern und im Jahr darauf im Königreich Spanien antrat, war Frankreich sowohl im Norden und Osten als auch im Süden von habsburgischen Territorien umgeben. Vermehrt wurde Karls Macht noch durch die einträglichen spanischen Besitzungen in Amerika, durch die zu Spanien gehörenden Königreiche Sardinien, Neapel und Sizilien sowie durch seine 1519 erfolgte Wahl zum römisch-deutschen Kaiser als Nachfolger seines Großvaters Maximilian I.

Entwicklung im 16. Jahrhundert

1519 Bereits seit 1494 kämpften Frankreich und Spanien um die Vorherrschaft in Italien. Zu diesem bereits schwelenden Konflikt kam seit 1516 das Bestreben der französischen Krone, sich aus der Umklammerung durch die habsburgischen Besitzungen zu lösen. Um die spanisch-habsburgische Vorherrschaft in Europa zu brechen, führte allein König Franz I. von Frankreich vier Kriege. Ihnen sollten unter seinen Nachfolgern viele weitere folgen. Sie suchten und fanden dafür immer wieder Unterstützung bei einzelnen deutschen Reichsfürsten aber auch beim Osmanischen Reich. Günstiger wurde die Situation für Frankreich, nachdem die Reformation Deutschland in sich feindlich gegenüberstehende Lager gespalten hatte. Aufgrund seiner maritimen Interessen stand auch das protestantische England seit der Thronbesteigung Königin Elisabeths I. für mehr als ein Jahrhundert meist im anti-spanischen Lager. Das Konfliktpotenzial ging nur unwesentlich zurück, als Karl V. 1555 abdankte und seinen Machtbereich zwischen seinem Sohn Philipp II. und seinem Bruder Ferdinand I. aufteilte. Ferdinand erhielt die österreichischen Erblande und die Kaiserkrone, Philipp Spanien sowie die niederländischen und italienischen Besitzungen. Die österreichischen und spanischen Habsburger stimmten jedoch ihre machtpolitischen Interessen weiter miteinander ab, und nach wie vor sah sich Frankreich von Philipps Herrschaftsbereich eingekreist. Die Hugenottenkriege verminderten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Handlungsmöglichkeiten der französischen Krone. Erst das Wiedererstarken des Landes unter dem ersten Bourbonenkönig Heinrich VI. sollte dies ändern

Entwicklung im 17. und frühen 18. Jahrhundert

Wiederaufflammen des Konflikts

Heinrich IV. plante bereits 1610 militärisch in den Jülich-Klevischen Erbfolgestreit einzugreifen und den Kampf gegen die habsburgischen Mächte wieder aufzunehmen. Die Aussichten dazu hatten sich entscheidend verbessert seit 1568 in den mehrheitlich protestantischen Niederlanden ein Aufstand gegen Spanien ausgebrochen war. Der darauf folgende Achtzigjährige Krieg sollte Spanien entscheidend schwächen und zur Unabhängigkeit der Niederlande führen. Diese sahen in Frankreich für lange Zeit einen natürlichen Verbündeten. Der Ausbruch eines großen, allgemein-europäischen Krieges, der durch ein französisches Engagement in Jülich-Kleve möglich gewesen wäre, wurde 1610 nur durch die Ermordung Heinrichs IV. verhindert.

Dreißigjähriger Krieg

In den 1618 ausbrechenden Dreißigjährigen Krieg griff Frankreich vorerst nicht direkt ein. Die Politik Kardinal Richelieus, der für König Ludwig XIII. die Regierung führte, war es zunächst, diejenigen Fürsten mit Subsidien zu unterstützen, die sich gegen die drohende Ausweitung der kaiserlichen Macht in Deutschland unter Ferdinand II. und Ferdinand III. wandten. Dies waren insbesondere die Fürsten der Protestantischen Union und Schweden unter König Gustav II. Adolf. Erst nach der Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen 1635 beteiligte sich Frankreich auch militärisch. 1635

Sicherung der Französischen Vorherrschaft

Im 1648 geschlossenen Westfälischen Frieden erreichte Frankreich nicht nur territoriale Zugeständnisse im Elsass, sondern setzte auch weitere, wichtige Vorstellungen durch. Die Niederlande wurden formell vom Reich unabhängig, und die Reichsfürsten erhielten das Recht, Bündnisse mit fremden Mächten – also auch mit Frankreich - zu schließen, so lange diese sich nicht gegen den Kaiser richteten. Vor allem war es Frankreich gelungen, die österreichischen von den spanischen Habsburgern zu trennen. Während es mit den einen Frieden schloss, führte es mit den anderen weiter Krieg. Erst 1659 schloss es mit Spanien den Pyrenäenfriede, der für Frankreich ebenso vorteilhaft war wie der Friede von Münster. Er markierte das Ende der spanischen und den Beginn der französischen Vorherrschaft in Europa.

Kriege Ludwigs XIV.

Nach dem Tod Kardinal Mazarins übernahm König Ludwig XIV. 1661 die alleinige Regierung Frankreichs. In den folgenden Jahren brach der habsburgisch-französische Gegensatz erneut auf – nun jedoch unter dem umgekehrten Vorzeichen einer drohenden französischen Hegemonie. Hegemonie Ludwigs aggressives Ausgreifen auf die Niederlande im Holländischen Krieg sowie auf den Westen Deutschlands im Zuge der Reunionspolitik und des Pfälzischen Erbfolgekriegs veränderte die europäischen Bündnissysteme. Zunächst näherten sich die Niederlande dem habsburgischen Kaiser in Wien an und schließlich auch England, nachdem der niederländische Generalstatthalter Wilhelm von Oranien infolge der Glorious Revolution 1688 den englischen Thron bestiegen hatte. Die sogenannte Tripelallianz trat Frankreich 1701-1713/14 im Spanischen Erbfolgekrieg entgegen, der nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. ausgebrochen war. Trotz einer von den europäischen Mächten im Frieden von Rijswijk